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Covid-19-Impfung

Millionen Amerikaner lassen Zweitimpfung aus

Einem Bericht der »New York Times« zufolge haben 8 Prozent der mit Biontech/Pfizer oder Moderna Geimpften ihre Zweitimpfung verpasst. Die Gründe sind unterschiedlich: einer ist ein fehlerhaftes Buchungsmanagement bei der Apothekenkette Walgreens.
Daniela Hüttemann
27.04.2021  15:00 Uhr

Die US-Amerikaner werden offenbar nachlässiger bei den vorgesehen Zweitimpfungen mit den mRNA-basierten Covid-19-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. Während in der ersten Impfwelle zwischen dem 14. Dezember und dem 14. Februar laut CDC-Bericht vom 19. März noch 95,6 Prozent der Geimpften ihre zweite Dosis innerhalb des empfohlenen Intervalls von bevorzugt drei (Biontech/Pfizer) beziehungsweise vier Wochen (Moderna) bis maximal sechs Wochen nach der ersten Dosis erhielten, haben laut »New York Times« in letzter Zeit mehr als fünf Millionen Menschen (fast 8 Prozent der Geimpften) diesen wissenschaftlich abgesicherten Zeitraum nicht eingehalten. Dabei beruft sich die »New York Times« auf neuere Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC für die Personen, die bis zum 9. April ihre Zweitdosis erhalten sollten.

Einige wurde befragt, wieso sie den zweiten Impftermin verpasst haben und gaben sehr unterschiedliche Gründe an. Manche haben Angst vor Nebenwirkungen – womit nicht die vor allem unter den Vektorimpfstoffen aufgetretenen schweren, aber sehr seltenen Thrombosen in Verbindung mit Thrombozytopenie gemeint sind, sondern die üblichen direkten Impfreaktionen wie grippeähnliche Symptome. Andere gaben an zu glauben, sie seien mit einer einzelnen Impfdosis genügend geschützt.

Ein dritter Grund sind jedoch Probleme mit der Verfügbarkeit der Impfstoffe. So hätten einige Impfanbieter die Zweittermine abgesagt, weil kein Impfstoff oder nicht der gleiche wie bei der ersten Verimpfung vorrätig war. Dem Zeitungsbericht zufolge habe Walgreens, eine der größten Apothekenketten und zugleich größter Anbieter von Covid-19-Impfungen in den USA, einige Menschen zu anderen Apotheken schicken müssen, damit diese dort die passende Zweitimpfung erhalten. Einigen scheint dies gelungen zu sein, andere blieben ungeboostert. Zum Teil habe Walgreens Buchungssystem bis in den März hinein Termine für die Erst- und Zweitimpfung einzelner Personen in verschiedenen Filialen erteilt, wo das benötigte Präparat dann jedoch nicht vorrätig war. Dies sei beispielsweise in New York City und Chicago passiert. Zudem sei die Biontech-Impfung erst nach vier statt der von der CDC empfohlenen drei Wochen buchbar gewesen. Walgreens selbst gab an, dass fast 95 Prozent der bei ihnen Erstgeimpften auch bei dieser Apothekenkette ihre zweite Dosis erhielten.

Befürchtet wird, dass eine Einzeldosis dieser Impfstoffe eine zu schwache Immunantwort auslöst, um vor einer SARS-CoV-2-Infektion, insbesondere mit den gefährlicheren Varianten, vollständig zu schützen. Zudem ist noch unklar, wie lange der Teilimpfschutz der ersten Dosis allein anhält. Bislang ist nur der Vektorimpfstoff von Janssen als Einzeldosis zugelassen, weil das Unternehmen in einer Phase-III-Studie eine ausreichende Schutzwirkung mit nur einer Dosis nachweisen konnte.

Laut Covid-Tracker der CDC sind in den USA bislang 290,6 Millionen Impfdosen ausgeliefert worden, von denen 230,7 Millionen bereits verimpft wurden. Mehr als 140,1 Millionen Amerikaner haben demnach eine Erstdosis erhalten (42,5 Prozent der Bevölkerung) und 95,9 Millionen eine Zweitdosis (28,9 Prozent).

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