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Präeklampsie

Migräne als Risikofaktor in der Schwangerschaft

Eine Vorabstudie US-amerikanischer Neurologen deutet darauf hin, dass das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie bei Frauen mit Migräne erhöht ist. Ob mit oder ohne Aura scheint demnach ebenfalls von Bedeutung zu sein.
Carolin Lang
08.03.2022  16:30 Uhr

»Etwa 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter Migräne«, erklärt Dr. Alexandra Purdue-Smithe vom Brigham and Women’s Hospital in Boston in einer Pressemitteilung der Fachgesellschaft ANN. Doch seien die Auswirkungen auf eine Schwangerschaft bislang nicht gut verstanden. In einer groß angelegten prospektiven Studie untersuchten Purdue-Smithe und ihre Arbeitsgruppe diese daher nun näher. Im April wird die Studie auf einer Jahrestagung der ANN vorgestellt, doch gab die Fachgesellschaft bereits Ende Februar Ergebnisse bekannt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten demnach mehr als 30.000 Schwangerschaften bei etwa 19.000 Frauen über einen Zeitraum von 20 Jahren mit Blick auf das Auftreten von Komplikationen wie Frühgeburten, Gestationsdiabetes, -hypertonie, Präeklampsie oder niedriges Geburtsgewicht. Bei 3881 Schwangerschaften (11 Prozent) war bei den Frauen vorher eine Migräne diagnostiziert worden. Unter diesen kam es bei 10 Prozent zu Frühgeburten, bei 7 Prozent zu Schwangerschaftshypertonie und bei 6 Prozent zu Präeklampsie verglichen mit jeweils 8 Prozent, 5 Prozent und 3 Prozent bei den Schwangerschaften der Frauen ohne Migräne.

Nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren wie Alter oder Fettleibigkeit kam die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass Frauen mit Migräne im Vergleich zu Frauen ohne Migräne ein 17 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt und ein 28 Prozent höheres Risiko für Schwangerschaftshypertonie hatten. Das Risiko für Präeklampsie war um 40 Prozent erhöht, wobei Frauen, die unter Migräne mit Aura litten, noch stärker gefährdet zu sein scheinen als Frauen mit Migräne ohne Aura. Eine Assoziation zwischen Migräne und Schwangerschaftsdiabetes oder niedrigem Geburtsgewicht stellte das Team nicht fest.

»Auch wenn das Risiko dieser Komplikationen insgesamt recht gering ist, sollten Frauen mit Migräne in der Vorgeschichte über mögliche Schwangerschaftsrisiken Bescheid wissen und ihren Arzt konsultieren«, rät Purdue-Smithe. »Es bedarf weiterer Forschung, um genau zu verstehen, warum Migräne mit einem höheren Risiko für Komplikationen verbunden ist. In der Zwischenzeit können Frauen mit Migräne von einer verstärkten Überwachung während der Schwangerschaft profitieren, damit Komplikationen wie Präeklampsie so früh wie möglich erkannt und behandelt werden können.«

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