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Pharmaindustrie
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»Merz muss jetzt zum Hörer greifen«

Die geplanten Einsparungen im Arzneimittelbereich führen zu wachsender Unruhe in der Pharmaindustrie. Nachdem Eli Lilly und Boehringer Ingelheim Investitionen zurückfahren, wächst der politische Druck auf die Bundesregierung.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 04.06.2026  16:10 Uhr

Streit wegen GKV-Finanzen

Bereits seit Vorstellung der 66 Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit warnen die Pharmaverbände vor den Auswirkungen auf ihre Branche. Einige der Vorschläge sind nun im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz enthalten. Während die Pharmaindustrie vor den Folgen warnt, beklagen sich die Krankenkassen über eine Verschonung.

So bezeichnete Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband die Reform neulich als »Schonprogramm für die Pharmaindustrie«. Sie beklagte, dass die Einsparungen für die Branche zu gering ausfallen. »Arzneimittel sind nach den Krankenhäusern der zweitgrößte Kostenblock in der gesetzlichen Krankenversicherung und die Pharmaindustrie verdient daran blendend«, teilte sie der Rheinischen Post mit. Laut Angaben des GKV-SV sind die Ausgaben für Arzneimittel von 2012 bis 2025 um 118 Prozent auf rund 59 Milliarden Euro gestiegen.

Pharma Deutschland sieht das anders. In seiner Meldung betont der Verband, dass die Stabilisierung der GKV-Finanzen zwar ein wichtiges Ziel sei. Doch die Stärkung von Wirtschaftswachstum, Innovation und Beschäftigung sei ebenso wichtig. SPD-Politiker Mieves sieht das genauso: Ihm sind sowohl stabile Finanzen in der gesetzlichen Krankenversicherung als auch ein starker Pharma- und Forschungsstandort Deutschland wichtig. »Beides darf nicht gegeneinander ausgespielt werden«, betonte er gegenüber der PZ.

Druck aus den USA wächst

Doch nicht nur die Entscheidungen der Bundesregierung, sondern auch die geopolitische Lage bereiten der Pharmaindustrie Schwierigkeiten. Ein Beispiel hierfür sind die seit September geltenden US-Zölle auf pharmazeutische Produkte. Boehringer Ingelheim hat wie andere Pharmaunternehmen auch ein Abkommen mit der US-Regierung geschlossen, um von den Zöllen befreit zu werden. Eine Bedingung dafür ist, in Produktion und Forschung in Amerika zu investieren. Auch der schwedisch-britische Pharmakonzern AstraZeneca, der Schweizer Pharmariese Roche und das französische Pharmaunternehmen Sanofi haben Investitionen in den USA angekündigt.

Die Politik von US-Präsident Donald Trump hat nicht nur Konsequenzen für die deutsche Industrie, sondern auch bereits Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten. Mit der »Most-Favored-Nation«-Politik will Trump erreichen, dass US-Patientinnen und -Patienten denselben oder einen niedrigeren Preis für Medikamente zahlen wie in Deutschland, Frankreich oder Kanada. Bislang hat diese Politik allerdings nicht zu günstigeren Preisen in den USA geführt, sondern zu weniger Markteinführungen in Europa. Dies zeigt eine Analyse des Marktforschungsunternehmens GlobalData. Demnach brach die Zahl der aus den USA eingeführten Medikamente in Europa im vergangenen Jahr um 35 Prozent ein.

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