| Johanna Hauser |
| 02.07.2026 11:00 Uhr |
Hitzewellen belasten auch die Atemwege, sodass Menschen mit Lungenerkrankungen bei Hitze ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Probleme haben. / © Getty Images/Gorica Poturak
Zu den bekannten Risikogruppen während sommerlicher Hitze gehören unter anderem Herzkranke, Menschen mit Diabetes, Ältere und Kleinkinder. Ein aktueller Beitrag auf der Nachrichtenseite »The Conversation« rückt auch Menschen mit interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD) in den Fokus. Sie sind während Hitzeperioden besonders gefährdet.
ILD ist ein Sammelbegriff für mehr als 200 verschiedene Erkrankungen, darunter etwa die idiopathische Lungenfibrose und die Sarkoidose. Allen ist gemein, dass sie Entzündungen und Vernarbungen der Lunge verursachen und eine restriktive Ventilationsstörung nach sich ziehen, die die Sauerstoffaufnahme erschwert.
Aber nicht nur für Menschen mit ILD, sondern auch für Patienten mit Asthma oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) sind heiße Tage eine Herausforderung. So steigt einer britischen Studie zufolge das Risiko einer COPD-bedingten Hospitalisierung ab 23,2 °C, und zwar um etwa 1,5 Prozent pro zusätzlichem Grad. Weitere Untersuchungen ergaben, dass auch die COPD-bedingte Mortalität bei Hitze erhöht ist.
Große Hitze beeinträchtigt die Lunge über mehrere Faktoren. Einerseits versucht der Körper, sich abzukühlen, indem das Herz vermehrt Blut in die Haut pumpt. Vermehrtes Schwitzen erhöht den Flüssigkeitsverlust. Beides steigert die Herzfrequenz und in der Folge den Sauerstoffbedarf. Dieser kann jedoch nur unzureichend gedeckt werden, wenn die Lunge geschädigt ist, da die Atemfrequenz nur bedingt angepasst werden kann. Betroffene verspüren (stärkere) Atemnot, sind schneller erschöpft und weniger belastbar als normal.
Kommen hohe Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit zusammen, werden die Atemwege zusätzlich belastet, da feuchte und heiße Luft den Gasaustausch in der Lunge erschwert.
Andererseits begünstigen hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung die Bildung von Ozon – ein Schadstoff, der die Atemwege reizt und eine Asthmasymptomatik verschlechtern kann. Gleichzeitig verbleiben bei geringer Luftbewegung Schadstoffe wie Ozon, Feinstaub und Allergene länger an Ort und Stelle.
Abhängig von der Partikelgröße kann Feinstaub bis tief in die Lunge vordringen und Entzündungsreaktionen auslösen. Ultrafeine Partikel (kleiner als 100 Nanometer) gelangen sogar bis in tiefe Zellebenen der Lunge, schreibt das Umweltbundesamt. Das Tückische: Je kleiner die Partikel, desto unwahrscheinlicher ist es auch, diese wieder abzuatmen.
Auch Rauch von Waldbränden belastet Lungenkranke überproportional. Luftverschmutzung kann Exazerbationen von Asthma und COPD begünstigen. Hitzegewitter können vor allem für Allergiker, aber auch Asthmatiker, belastend sein, da die Konzentration von Allergenen in der Luft zunimmt und das Aufplatzen von Pollen die Partikelgröße verringert.
Neben allgemeingültigen Verhaltenshinweisen bei Hitze sollten Patienten dafür sensibilisiert werden, ihre Symptome genau zu beobachten, schreibt Professor Dr. Anne-Marie Russel von der School of Nursing and Midwifery der University of Birmingham auf »The Conversation«. (Stärkere) Atemnot und Erschöpfung müssen ebenso ernst genommen werden wie Brustschmerzen, Verwirrtheit oder Ohnmacht. In diesen Fällen ist eine rasche medizinische Abklärung anzuraten.
Eine gute Vorbereitung hilft, gesundheitliche Probleme während Hitzewellen zu vermeiden. Dazu zählt ein Notfallplan bei einer Verschlechterung der Symptome, Maßnahmen zur Kühlung der Wohnung sowie Vorkehrungen für den Betrieb von Sauerstoffgeräten bei Stromausfall. Medikamente sollten wie verordnet eingenommen und eine ausreichende Sauerstoffversorgung sichergestellt werden.
Der Lungeninformationsdienst empfiehlt darüber hinaus, stark luftverschmutzte Orte, etwa viel befahrene Straßen, möglichst zu meiden und gegebenenfalls eine Mund-Nasen-Maske zu tragen.