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Gewitterasthma
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Atemnot als Unwetterfolge

Heuschnupfen-Geplagte atmen oft auf, wenn Regen während der Allergiesaison die Luft »reinwäscht«. Kommt es allerdings bei hoher Pollenbelastung zu einem Gewitter, können sich Symptome einer Atemwegsallergie massiv verschlimmern – auch bei Menschen, die zuvor beschwerdefrei waren.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 25.06.2026  07:00 Uhr

Melbourne, Australien, 21. November 2016: An diesem Tag wird die Metropole im Südosten des australischen Kontinents von einem starken Gewitter heimgesucht. Dieses Ereignis geht in die Annalen ein, allerdings nicht weil das Unwetter besonders große äußere Schäden angerichtet hätte, sondern weil in der Folge so viele Menschen mit akuten Atemwegsbeschwerden in die Notaufnahmen kommen wie nie zuvor. Insgesamt 3365 Personen (672 Prozent) mehr als an einem gewöhnlichen Tag sind es am Ende, von denen 476 Patienten (992 Prozent mehr als sonst) wegen akutem Asthma hospitalisiert werden müssen. Zehn Menschen sterben infolge des Ereignisses.

Die Atemwegssymptome, die das Unwetter in Melbourne auslöste, bezeichnet man auch als Gewitterasthma (Thunderstorm Asthma, TSA). Betroffen sein können davon nicht nur Patienten mit bekanntem Asthma bronchiale, sondern auch solche mit anderen Atemwegsallergien wie Heuschnupfen (allergische Rhinitis). Tatsächlich haben sogar mehr Patienten mit TSA eine vorbestehende allergische Rhinitis als ein vorbestehendes Asthma. Auch Personen, die unter gewöhnlichen Bedingungen nur leichte Heuschnupfen-Symptome haben, können ein TSA entwickeln.

Luftnot, Bronchospasmen und Asthmaexazerbationen

Steigt die Pollenbelastung in der Luft aufgrund bestimmter äußerer Umstände extrem stark an, kommt es bei einem TSA-Ereignis lokal massenhaft zu Luftnot, Bronchospasmen und Asthmaexazerbationen. Die akuten Atemwegsbeschwerden treten etwa 20 bis 30 Minuten nach Beginn des Gewitters auf.

Forschende um Professor Dr. Francis Thien von der Monash University in Melbourne haben in »The Journal of Allergy and Clinical Immunology in Practice« alles Wichtige zum Gewitterasthma zusammengetragen. Das TSA-Ereignis im Jahr 2016 in ihrer Heimatstadt sei weder das erste und noch das letzte seiner Art gewesen, schreibt die Gruppe, aber bei Weitem das größte. Seitdem sei viel zu TSA geforscht und publiziert worden. Berichte über TSA gab es aus verschiedenen Ländern, auch aus Deutschland (Oberstdorf 2012 und Augsburg 2015). In Australien, wo bislang die meisten TSA-Episoden dokumentiert wurden, wird im Bundesstaat Victoria, dessen Hauptstadt Melbourne ist, mittlerweile ein TSA-Frühwarnsystem entwickelt.

Laut dem Artikel müssen für ein TSA-Ereignis drei Faktoren zusammenkommen:

  • eine hohe Belastung der Luft mit Allergenen wie Gräserpollen oder Pilzsporen,
  • ein starkes Gewitter mit kräftigen Windböen und Fallwinden sowie
  • viele Menschen in der betroffenen Gegend, die für die entsprechenden Allergene sensibilisiert sind.

Laut Informationen des Allergie Informationsdienstes des Helmholtz-Zentrums München vermutet man, dass die Pollen beziehungsweise Sporen aufgrund der elektrostatischen Aufladung und der Luftfeuchtigkeit während des Gewitters aufquellen und sich öffnen beziehungsweise gesprengt werden. Dadurch entstehen kleinere Allergenteilchen, die tiefer in die Lunge gelangen können als die intakten Pollen oder Sporen. Die für Gewitter typischen Böen und Fallwinde wirbeln die Allergene auf, verteilen sie und pressen sie nach unten, sodass sie sich in Bodennähe extrem stark konzentrieren.

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