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Gender Pain Gap
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Mehr als ein reines Frauenproblem

Frauen warten häufig länger auf Diagnosen, erhalten mitunter andere Therapien als Männer und ihre Beschwerden werden öfter psychischen Ursachen zugeschrieben. Gründe für den sogenannten Gender Pain Gap und warum auch Männer betroffen sind, nennen zwei Expertinnen im Gespräch mit der PZ.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 22.05.2026  18:00 Uhr

Biologische und gesellschaftliche Ursachen

Wie kommt der Gender Pain Gap zustande? »Aktuell wird davon ausgegangen, dass der Gender Pain Gap multifaktoriell bedingt ist und sowohl biologische Unterschiede als auch gesellschaftlich geprägte Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster umfasst«, so Pfleiderer.

Dabei spielten Unterschiede in der Schmerzverarbeitung, im Hormonhaushalt sowie in immunologischen und neurophysiologischen Mechanismen eine Rolle. »Geschlechtshormone wie Estrogen und Progesteron beeinflussen nachweislich Schmerzempfinden, Entzündungsreaktionen und die Wirksamkeit bestimmter Schmerzmittel. Zudem zeigen Studien geschlechterabhängige Unterschiede in der Aktivierung von Schmerzrezeptoren sowie in zentralnervösen Verarbeitungsmechanismen«, so Pfleiderer.

Zugleich würden Schmerzen von Frauen im klinischen Alltag häufiger psychosomatisch interpretiert oder unterschätzt. Geschlechterstereotype beeinflussten dabei sowohl, wie Patientinnen und Patienten ihre Schmerzen kommunizieren, als auch, wie Ärztinnen und Ärzte diese bewerten.

Frauen in Studien lange unterrepräsentiert

Die Medizin war lange Zeit sehr männlich dominiert. »Erst seit 1899 dürfen Frauen in Deutschland Medizin studieren. An gendergerechte Medizin – die ja auch Männern zugutekommt – wurde lange Zeit gar nicht gedacht«, betont Iblher.

Inzwischen gebe es Fortschritte bei der geschlechtersensiblen Forschung. »Seit 2004 wurde empfohlen, Studien geschlechtsspezifisch auszuwerten. 2022 trat eine EU-Richtlinie in Kraft; seitdem müssen Studien repräsentativ durchgeführt werden müssen – das heißt, Medikamente, die hauptsächlich für Frauen gedacht sind, müssen auch an ihnen erprobt sein werden. Das lässt hoffen«, sagt Iblher.

Die historische Unterrepräsentation von Frauen in klinischen Studien wirke sich jedoch bis heute erheblich auf die Schmerztherapie aus, erklärt Pfleiderer. »Über viele Jahrzehnte wurden klinische Studien überwiegend an männlichen Probanden durchgeführt – unter anderem aus Sorge vor hormonellen Zyklusvariationen, potenziellen Schwangerschaftsrisiken und vermeintlich höherer Datenvariabilität bei Frauen.«

Viele Dosierungsempfehlungen, Wirksamkeitsannahmen und Nebenwirkungsprofile basierten deshalb lange vor allem auf Daten männlicher Körper. »Für die heutige klinische Praxis bedeutet dies, dass Frauen teils unter- oder überdosiert werden oder dass unerwünschte Arzneimittelwirkungen häufiger auftreten, ohne dass diese Unterschiede in älteren Zulassungsstudien ausreichend abgebildet wurden«, so Pfleiderer. Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich etwa darin, wie Wirkstoffe resorbiert, im Körper verteilt, metabolisiert und ausgeschieden werden. Bei der Aufklärung spielen Apotheker in der Offizin aus Sicht der Expertin eine wichtige Rolle.

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