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Medikamentöse Asthma-Kontrolle jetzt besonders wichtig

Aktuellen Erkenntnissen gemäß haben Asthma-Patienten kein erhöhtes Risiko, sich mit SARS-CoV-2-zu infizieren. Eine gute Asthma-Kontrolle ist nicht mit einer erhöhten Gefahr schwerer Covid-19-Verläufe verbunden. Empfohlen wird daher, eine bestehende Therapie konsequent fortzuführen. Dies gilt insbesondere für Langzeitbehandlungen mit inhalativen Steroiden.
Christiane Berg
10.12.2020  16:00 Uhr

»Wichtigste Säule der Asthma-Therapie ist ein gutes Management der Erkrankung unter adäquatem Einsatz der verfügbaren Medikamente ergänzt um nicht-medikamentöse Behandlungsmaßnahmen«, konstatiert Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in einer Pressemittelung des AOK-Bundesverbands.

Ob kurz- oder lang wirksam, ob β2-Sympathomimetika oder Corticosteroide: Ziel der medikamentösen Asthma-Therapie ist die bestmöglichen Asthmakontrolle, also die Suppression der asthmatischen Entzündung, die Verminderung der bronchialen Hyperreagibilität sowie die Reduktion der Atemwegsobstruktion. Die überwiegende Zahl der Antiasthmatika wird inhalativ appliziert, wobei die Vielfalt der unterschiedlichen Applikationssysteme (Dosieraerosole, Pulverinhalatoren, Vernebler et cetera) bei Patienten oftmals zur Verwirrung und Verunsicherung führt. »Wer gegen eine Lungenerkrankung wie Asthma Medikamente braucht, sollte sich die Inhalationstechnik in der Apotheke erklären lassen«, betont die ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Berlin. Denn: Bei Asthma entscheide die Inhalationstechnik über den Behandlungserfolg.

In Deutschland leben dem neuen Asthma-Atlas der AOK zufolge etwa 3,5 Millionen Menschen mit einem medikamentös therapierten Asthma bronchiale. Das entspricht einem Anteil von 4,2 Prozent der Bevölkerung. Die höchsten Krankheitsraten finden sich bei Jungen bis 14 Jahren. Mit 5,4 Prozent erkranken diese deutlich häufiger an Asthma als Mädchen (1,9 Prozent). Im Erwachsenenalter sind Frauen zwischen 70 und 79 Jahren mit 6,8 Prozent am stärksten betroffen.

Die höhere Prävalenz bei den Jungen, so Schröder, hat vermutlich anatomische Gründe und lässt sich durch engere Bronchien erklären, die wiederum die Entstehung von Asthma bronchiale begünstigen. »Im Erwachsenenalter sind die Bronchiendurchmesser dann bei Männern größer als bei Frauen, was die Umkehrung der Geschlechterverhältnisse erklärt.« Weitere Gründe für die Geschlechtsunterschiede könnten hormonelle Einflüsse oder geschlechtsspezifische Unterschiede beim Kontakt mit Asthma-auslösenden Substanzen sein.

Im Bundesland-Vergleich sind die Einwohner von Nordrhein-Westfalen mit 4,7 Prozent am stärksten von Asthma bronchiale betroffen. Großstädte weisen im Vergleich zu ländlichen Regionen erwartungsgemäß eine insgesamt leicht erhöhte Asthma-Häufigkeit auf. Als eine Ursache wird die generelle Luftverschmutzung diskutiert. Es ist, so Schröder, Sache der Kommunen, hier über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken.

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