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Hautirritationen

Masken schützen, reizen aber auch

Ohne Frage ist das Tragen von Masken ein wirksames Instrument, um der Verbreitung von SARS-CoV-2 Einhalt zu gebieten. Doch die Mund-Nasen-Bedeckung schafft neue gesundheitliche Probleme: etwa Hautirritationen.
Elke Wolf
09.03.2021  07:00 Uhr

Trockene Stellen, Pickelchen oder Rötungen hinter den Ohren und in der T-Zone werden durch das häufige Tragen von Masken zu Tage befördert, unabhängig davon, ob es sich um FFP2-, OP- oder Stoffmasken handelt. Kein Wunder: Stellt die Maske die Haut darunter doch vor besondere Herausforderungen. Das kann Dr. German Hubatsch, Dermatologe aus Neu-Isenburg, nur bestätigen. In dessen Praxis häufen sich derzeit die Fälle von Hautproblemen durch die Maskenpflicht.

»Den Hautproblemen liegen drei Faktoren zu Grunde: Durch die Atmung bildet sich zum einen eine feucht-warme Kammer, die für Keime ideal zum Vermehren ist. Zum anderen können durch mechanische Reibung Mikroverletzungen entstehen. Der dritte Auslöser besteht in der falschen Handhabung der Masken. Diese werden ja nun nicht nach jedem Mal Tragen gewechselt. Sie werden von links nach rechts geschoben, auf ihnen befinden sich Make-up-Reste, es entstehen immer neue Biofilme. Und wer ständig mit der Hand im Gesicht rumfummelt, erzeugt Schmierinfektionen«, berichtet der Dermatologe aus Erfahrung. Damit die Haut die Pandemiezeiten unbeschadet übersteht, ist laut Hubatsch der richtige Umgang mit der Maske das A und O. Auch wer die Maske nach Gebrauch feucht zerknüllt in die Hosentasche steckt und später noch nicht ganz trocken wieder aufsetzt, fördert die Bakterienvermehrung.

Die Bezeichnung »Maskne« für die Maske-bedingten Hautunreinheiten findet der Dermatologe nicht sehr glücklich gewählt. »Die Pickelchen durch die Maske haben nichts mit Akneknötchen zu tun. Es handelt sich eher um eine oberflächliche Follikulitis, bei der sich die Haarwurzeln der weißen, nicht pigmentierten Härchen rund um den Mund entzünden und dann bakteriell superinfiziert werden. Das sind keine Akne-Pusteln. Gleichwohl kann sich auch dabei das Hautbild durch das ständige Tragen der Maske verschlechtern«, sagt Hubatsch. Ein Abstrich an der Nasolabialfalte oder dem Nasenvorhof überführe dann meistens Staphylococcus aureus als Übeltäter.

Um akute Rötungen und Entzündungen zu behandeln, empfiehlt der Dermatologe Ichthyol- oder Zinkoxid-haltige Zubereitungen. »Zink wirkt antimikrobiell, Ichthyol ist ein Gerbstoff, beides wirkt austrocknend. Damit lege ich quasi die Haut trocken und verhindere den Kontakt der Feuchtigkeit mit der Haut.« Das wirkt dem übermäßigen Wachstum von Keimen auf der gestörten Hautoberfläche entgegen und reguliert Entzündungen herunter. Ansonsten schwört Hubatsch auf Rezepturen aus der Apotheke. »Das Deutsche Arzneibuch und DAC/NRF liefert hervorragende Rezepturen, die die Haut nicht reizen, weil sie auf überflüssige Inhaltsstoffe verzichten.« Wer zu trockener Haut neigt, verwendet zuvor ein Serum, das die Haut durchfeuchtet, und trägt dann eine Minute später die Zink-Zubereitung auf, rät Hubatsch.

Sind die Hautprobleme in der Selbstmedikation nicht in den Griff zu bekommen, empfiehlt der Experte den Gang zum Hautarzt. Dann kommen etwa punktuell 2 % Erythromycin oder Metronidazol in Basiscreme zum Einsatz. Erythromycin eignet sich auch für Frauen im gebärfähigen Alter, Metronidazol nicht, erklärt der Fachmann. Es gebe aber auch Fälle, die die Verordnung von oralen Tetracyclinen rechtfertigten.

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