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Innerfamiliäre Übertragungen

Masken schützen auch zu Hause

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) kann das Risiko einer Übertragung des neuen Coronavirus in Haushalten stark reduzieren – allerdings nur vor dem Auftreten von Symptomen beim ersten Infizierten. Das zeigt eine Studie, die gerade im »British Medical Journal« veröffentlicht wurde.
Christina Hohmann-Jeddi
29.05.2020  09:54 Uhr

Mit den weitgehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind Haushalte in vielen Ländern derzeit der Hauptort für Übertragungen des Pandemievirus SARS-CoV-2. Ein Team um Yu Wang vom Peking Center for Disease Prevention and Control in  China untersuchte daher, welche Faktoren bei der Übertragung eine Rolle spielen. Sie interviewten hierfür zwischen Ende Februar und Ende März Personen aus 124 Haushalten in Peking, in denen insgesamt 460 Personen lebten. In allen Familien gab es einen Indexpatienten. Zu einer Übertragung kam es in 77 Familien. Das entspricht einer Befallsrate von 23 Prozent, heißt es in der Publikation.

Der tägliche Gebrauch von Desinfektionsmitteln, Lüften und Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten waren mit einem verringerten Übertragungsrisiko assoziiert. Täglicher Kontakt und das Tragen von MNS nach dem Auftreten von Symptomen beim Indexpatienten bedeuteten dagegen ein erhöhtes Risiko.

Vier Faktoren spielten für Ansteckungen in der Familie eine besonders große Rolle: Wenn der Indexpatient an Durchfall litt, stieg das Risiko für Folgeinfektionen um das Vierfache. Enger täglicher Kontakt bei gemeinsamen Mahlzeiten oder Fernsehen in der Familie erhöhten das Übertragungsrisiko um das 18-Fache. Dagegen konnte der Gebrauch von Desinfektionsmitteln die Ansteckungswahrscheinlichkeit um 77 Prozent und das Tragen von Masken vor Symptombeginn beim Indexpatienten um 79 Prozent senken.

Die Untersuchung habe Schwächen, räumen die Forscher ein, da man sich bei Telefoninterviews auf das Erinnerungsvermögen der Teilnehmer verlassen müsse. Dennoch unterstützten ihre Ergebnisse die Empfehlung zum Masketragen – nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch zu Hause. Generell ist das vermutlich schlecht durchzuhalten, aber besonders interessant ist diese Schutzmaßnahme für Familien, in denen sich ein Mitglied in Quarantäne befindet.

»Übertragungen in Familien sind ein wichtiger Treiber der Pandemie«, schreiben die Autoren um Wang. Ihre Ergebnisse könnten für Empfehlungen genutzt werden, die das Transmissionsrisiko in Haushalten reduzieren.

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