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Blasenentzündung

Mannose als Alternative zu Antibiotika?

In einer italienischen Pilotstudie, die 2016 im »European Review for Medicinal and Pharmacological Sciences« erschien, wurde gezeigt, dass eine Akuttherapie mit D-Mannose bei 43 Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten die Symptome lindern und die Krankheitsdauer verkürzen konnte. Das Einnahmeschema betrug zweimal täglich 1,5 Gramm Mannose (das italienische Präparat Mannocist®) für drei Tage und dann einmal täglich für weitere zehn Tage. Die Frauen nahmen die Mannose über sechs Monate dann zur Rezidivprophylaxe ein. In dieser Gruppe erlitten nur 4,5 Prozent ein Rezidiv gegenüber 33,3 Prozent der unbehandelten Vergleichsgruppe.

Baumgartner zitierte noch weitere Studien zur Rezidivprophylaxe, auch im Cross-over-Design im direkten Vergleich mit Antibiotika. In einer Untersuchung habe es bei dauerhafter Mannose-Einnahme viermal länger gedauert als unter Antibiotika-Therapie, bis erneut ein Harnwegsinfekt aufgetreten sei. Dabei sei das Antibiotikum wohlgemerkt auch über sechs Monate genommen worden. Angesichts der Resistenzentwicklungen und Nebenwirkungen von Antibiotika hält Baumgartner eine mehrmonatige Rezidivprophylaxe mit Mannose für Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten für eine sinnvolle Alternative, auch wenn dies (noch) nicht explizit in der Leitlinie empfohlen wird. Zudem könne Mannose auch zusätzlich zu Antibiotika gegeben werden.

»Viele Frauen versuchen es bei einer Blaseninfektion erst einmal mit Hausmitteln wie Wärmflasche und viel trinken. Wenn das nicht hilft, kommen sie in die Apotheke«, so der Referent. Solange hier die Grenzen der Selbstmedikation beachtet werden und der Infekt nicht schon seit Wochen besteht, hält er eine Eigenbehandlung mit Mannose oder auch Phytopharmaka für angebracht.

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