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Evidenz-Check
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Macht Schokolade wirklich glücklich?

Schokolade ist ein komplexes Produkt, das uns in Europa seit dem 16. Jahrhundert begleitet. Sie wurde bereits früh zu medizinischen Zwecken eingesetzt, auch bei depressiven Verstimmungen. Der Jubiläums-Newsletter der »EviNews« beleuchtet den medizinischen Nutzen für die stimmungsaufhellende Wirkung nun genauer.
AutorKontaktCorinna Cappellaro
Datum 13.02.2025  18:00 Uhr

Normalerweise geht es bei den »EviNews« um OTC-Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel. Anlässlich der 100. Ausgabe hat das Autorenteam klinischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten vom Zentrum für Arzneimittelsicherheit der Universität Leipizig nun leicht augenzwinkernd die Evidenz von Schokolade bei Depressionen bewertet und auch die Kulturgeschichte des Kakaos zusammengefasst.

Kakao wird seit 3000 Jahren vor allem in Mittel- und Südamerika genutzt. Theobroma cacao heißt die Pflanze aus den tropischen Regionen Amerikas. Anfangs wurde es als bitteres Getränk konsumiert. Als es im 16. Jahrhundert bei in Europa Einzug hielt, wurde es mit Zucker und Vanille aufgepeppt, um den bitteren Geschmack zu überdecken.

Verantwortlich für die Bitterkeit sind Polyphenole-Gerbstoffe, vor allem Catechine, oligomere Procyanidine und Flavonoide. Darum wird in der Herstellung der Polyphenol-Gehalt um bis zu 90 Prozent reduziert. Dabei geht einiges der antioxidativen Eigenschaften verloren. Zu nennen sind außerdem Methylxanthine wie Theobromin, welches mild anregend wirkt, und auch ein wenig Koffein. Nicht vergessen sollte man das Anandamid, welches an die Endocannabinoid- und Vanilloid-Rezeptoren bindet. Die biogenen Amine Serotonin, Tryptophan, Phenylethylamin, Tyrosin, Tryptamin und Tyramin sind weniger relevant, da sie vermutlich durch Monoaminoxidasen zersetzt werden, bevor es zu einer Wirkung kommt.

Die Schokoladen-Wirkung in der klinischen Anwendung

Bei diesen Inhaltsstoffen ist es kein Wunder, dass die Schokolade bei uns bereits früh Eingang in die Medizin fand. So sollte sie stimmungsaufhellend und aphrodisierend, bei Leberleiden und Verdauungsbeschwerden helfen. Der EviNewsletter greift vor allem ein Review auf, der sich der affektiven Wirkung von Schokolade ausführlich widmet. Beachtet wurden Symptome von Depressionen, Angststörungen sowie positive und negative Affekte.

Untersucht wurden verschiedene Anwendungsdauern: akute (einmalig), kurzzeitig (maximal eine Woche), und längerfristig (länger als eine Woche). Eine Wirkung war in bei allen vier untersuchten primären Outcomes zu verzeichnen. Die Effektstärke wurde mit »mittel«, die Heterogenität mit »niedrig« bewertet. Bei Depression und Angst erreichte bereits eine kurze Therapiedauer der Kakao-Therapie eine Verbesserung. Beim Punkt positiver Affekt wurde dagegen erst bei der längerfristigen Gabe ein Effekt fest gemacht.

Die Methodik der Studie wurde als gut eingestuft, jedoch gab es auch Kritikpunkte. So könnten zum Beispiel die kurzfristigen Effekte durch den Geschmack von Schokolade eingetreten sein und nicht durch die Inhaltsstoffe.

Wie so oft heißt es: Zur endgültigen Beurteilung seien größere Studien mit besserer Methodik notwendig. Besonders bei langfristiger Gabe wäre eine genormte Zusammensetzung der Schokolade hilfreich, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis zu bestimmen.

Beratungshinweise und Grenzen der Selbstmedikation

Trotzdem: Mit einer gewissen zu berücksichtigenden Unsicherheit zeige das Ergebnis der Metaanalyse, dass kakaohaltige Produkte wie Schokolade vor allem in der kurzfristigen Anwendung die Stimmung zu heben scheinen. »Damit trägt Schokolade dazu bei, dass wir uns besser, gegebenenfalls glücklicher fühlen«, folgern die EviNews-Autoren.

Sie geben noch einige Hinweise an die Hand, wie sie sich eine optimale Schokoladen-Therapie vorstellen:

  • Am besten bei ersten Stimmungs-Trübung Schokolade essen.
  • Man sollte Schokolade jedoch achtsam konsumieren.
  • Die Dosis schwankt zwischen drei Stücken und einer ganzen Tafel (100g).
  • Ein Zusammenhang zwischen Darreichungsform (Schokoladen-Osterhase, -Nikolaus, Bonbon oder Tafel) und Wirksamkeit wurde nicht untersucht.
  • Der Schokoladengenuss sollte vom »Adjuvans« Bewegung begleitet werden. Das wirke synergistisch auf die Stimmung und verhindere eine unkontrollierte Gewichtszunahme.

Einschränkend bemerken die Autoren, dass Anzeichen einer Depression wie Schlafstörungen, Appetitverlust, Energiemangel, Amenorrhoe und Libidoverlust durch einfachen Schokoladenkonsum nicht behandelt werden können. Pech gehabt hat auch, wer mit Unverträglichkeiten auf Schokolade reagiert.

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