| Sven Siebenand |
| 11.08.2026 07:00 Uhr |
Vor der Infusion von Lurbinectedin erhalten die Patienten zur antiemetischen Prophylaxe ein Corticosteroid (intravenöses Dexamethason 8 mg oder Äquivalent) und einen Serotonin-Antagonisten (intravenöses Ondansetron 8 mg oder Äquivalent). Nach der Behandlung erhalten die Patienten eine Primärprophylaxe mit Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF), um das Risiko einer schweren Neutropenie/febrilen Neutropenie zu reduzieren.
Die Fachinformation gibt Empfehlungen zu Behandlungsverzögerungen und zur Dosisanpassung aufgrund von Nebenwirkungen.
Die gleichzeitige Anwendung von Lurbinectedin mit starken oder moderaten CYP3A-Inhibitoren sollte vermieden werden. Wenn dies nicht möglich ist, sollte die Lurbinectedin-Dosis auf 50 Prozent der zugelassenen Dosis reduziert werden. Im Falle von Nebenwirkungen unter der reduzierten Anfangsdosis sind bis zu zwei nachfolgende Dosisreduktionen um jeweils 20 Prozent zulässig. Auch die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A-Induktoren sollte vermieden werden.
Leberwerte, einschließlich ALT, AST und Bilirubin, sollten vor Beginn der Behandlung und währenddessen in regelmäßigen Abständen, wie klinisch indiziert, überwacht werden. Dosisanpassungen können erforderlich sein. Die Fachinformation enthält weitere Warnhinweise zu den Themen Rhabdomyolyse und Tumorlysesyndrom.
Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Übelkeit (38 Prozent), Müdigkeit (34 Prozent), Anämie (34 Prozent), Thrombozytopenie (28 Prozent) und Neutropenie (25 Prozent). Der Einsatz bei schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung wird nicht empfohlen.
Lurbinectedin kann den Fötus schädigen, wenn es einer schwangeren Frau verabreicht wird. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird vor Beginn der Behandlung ein Schwangerschaftstest empfohlen. Patientinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für sieben Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Männliche Patienten mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für vier Monate nach der letzten Dosis Kondome verwenden. Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen für denselben Zeitraum eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Lurbinectedin darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, eine Behandlung ist aufgrund des klinischen Zustandes der Frau erforderlich. In der Stillzeit ist der Wirkstoff kontraindiziert.
Zepzelca ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.
Das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) gehört noch immer zu den Tumorerkrankungen, die nicht ausreichend behandelbar sind. Lange dominierte therapeutischer Stillstand. Nun kamen im Juli gleich zwei neue Wirkstoffe auf den deutschen Markt. Nicht nur Tarlatamab für die Zweitlinie, sondern auch Lurbinectedin für die Erstlinien-Erhaltungstherapie im extensiven Stadium des SCLC (ES-SCLC) ist vorläufig als Sprunginnovation zu sehen.
Pharmakologisch betrachtet sorgt Lurbinectedin vielleicht nicht für riesige Aufmerksamkeit. Es gehört zur bekannten Klasse der Alkylanzien. Aber die Zulassungsstudie IMforte zeigte, dass Lurbinectedin in Kombination mit Atezolizumab als Erhaltungstherapie nach erfolgreicher Erstlinienbehandlung sowohl das progressionsfreie als auch das Gesamtüberleben verlängern kann. Die Ergebnisse sind nicht überwältigend, aber selbst moderate Fortschritte von wenigen Monaten haben beim ES-SCLC durchaus Relevanz.
Die positiven Ergebnisse der IMforte-Studie fanden bereits Eingang in die aktuelle S3-Leitlinie zum Lungenkarzinom (Stand: Juni 2026). Darin wird empfohlen, Patienten mit ES-SCLC ohne Progress nach vier Zyklen einer Chemo-Immuntherapie mit Carboplatin, Etoposid und Atezolizumab eine Erhaltungstherapie mit Atezolizumab und Lurbinectedin anzubieten. Experten rechnen damit, dass sich diese Kombination als ein neuer Therapiestandard in der Erstlinien-Erhaltung des ES-SCLC etablieren wird.
Sven Siebenand, Chefredakteur