Pharmazeutische Zeitung online
AMVV-Novelle

Levocetirizin bald ohne Rezept

Bestimmte Arzneimittel mit dem Wirkstoff Levocetirizin soll es schon bald ohne Rezept in der Apotheke geben. Das geht aus dem Entwurf für eine geplante Novelle der Arzneimittel-Verschreibungsverordnung (AMVV) hervor.
Stephanie Schersch
01.11.2018
Datenschutz bei der PZ

Mit der Neufassung wollen die Bundesministerien für Gesundheit sowie Landwirtschaft und Ernährung die AMVV »an den aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse« anpassen, wie es in dem Verordnungsentwurf heißt. Das Antiallergikum Levocetirizin zur oralen Anwendung in einer Konzentration von 5 mg je abgeteilter Form soll damit nun aus der Rezeptpflicht fallen. Allerdings muss sich auf der Verpackung ein Hinweis befinden, der die Anwendung auf Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr beschränkt.

Hintergrund der Freigabe ist eine entsprechende Empfehlung, die der Ausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Anfang Juli ausgesprochen hatte. Auch mit Diclofenac haben sich die Experten befasst. Pflaster mit diesem Wirkstoff in einer Konzentration bis zu 5 Prozent sind bereits seit 1998 von der Verschreibungspflicht freigestellt. Nun kommen auch solche hinzu, die diesen Grenzwert überschreiten. Allerdings trifft das auf keines der bislang in Deutschland zugelassenen Präparate zu.

Aus der Rezeptpflicht sollen auch Kombinationspräparate mit den Wirkstoffen Hydrocortisonacetat und Natriumbituminosulfonat fallen. Dabei handelt es sich um Arzneimittel mit einer Konzentration von 0,2 Prozent Hydrocortisonacetat und in Packungsgrößen bis zu 20 g zur kurzzeitigen Behandlung bestimmter Hauterkrankungen. Auch in diesem Fall muss der Hersteller auf der Verpackung darauf hinweisen, dass das Präparat ausschließlich für Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr geeignet ist.

Ein Rezept ist künftig hingegen für Distickstoffmonoxid-haltige Präparate erforderlich, ebenso für Tierarzneimittel mit dem Wirkstoff Amprolium, ausgenommen zur Anwendung bei Brieftauben.

In den Apotheken dürfte sich eine Freigabe von Levocetirizin am stärksten bemerkbar machen. Rund 240.000 Mal hätten Ärzte entsprechende Präparate zulasten der Krankenkassen im vergangenen Jahr verschrieben, heißt es im Verordnungsentwurf. Die Kassen würden mit Wegfall der Rezeptpflicht etwa 5,1 Millionen Euro im Jahr sparen.

Foto: iStock/FotoStudioMegg

 

Mehr von Avoxa