| Theo Dingermann |
| 23.07.2026 10:00 Uhr |
Lecanemab ist ein gegen β-Amyloid gerichteter Antikörper, der in frühen Stadien der Alzheimer-Erkrankung eingesetzt wird und Amyloid-Plaques reduziert. / © Getty Images/Science Photo Library/Alfred Pasieka
Im Rahmen der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) 2026 wurden am 14. Juli Ergebnisse einer Interimsanalyse der laufenden Beobachtungsstudie LEADER zum Einsatz von Lecanemab vorgestellt, über die Megan Brooks auf »Medscape Medical News« berichtet. »Diese Befunde belegen, dass sich der in der Phase-III-Studie Clarity AD beobachtete Nutzen in die klinische Routine unterschiedlichster Behandlungssettings übersetzen lässt«, wird der Studienleiter, Dr. Babak Tousi, Direktor des Cleveland Clinic Center for Brain Health, in dem Artikel zitiert.
Die dreijährige LEADER-Studie ist eine multizentrische, retrospektive Real-World-Studie, die darauf ausgelegt ist, die Anwendung von Leqembi, die Therapietreue, den Übergang zur Erhaltungstherapie, die Sicherheit sowie kognitive und funktionelle Beurteilungen und die Erfahrungen des medizinischen Fachpersonals bei der Umsetzung in verschiedenen klinischen Einrichtungen in den USA bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit (AD) im Frühstadium zu untersuchen.
In die Interimsanalyse gingen 432 Patienten mit früher Alzheimer-Krankheit ein, die bis Mai 2026 mindestens sieben Lecanemab-Infusionen erhalten hatten. Das mittlere Alter lag bei 74 Jahren, 55,8 Prozent waren Frauen. Zu Behandlungsbeginn wiesen 63,9 Prozent eine leichte kognitive Störung (MCI) infolge einer Alzheimer-Erkrankung auf, 36,1 Prozent eine leichte Alzheimer-Demenz. Die mittlere Behandlungsdauer betrug 520 Tage, entsprechend rund 26 Dosen.
Von 427 auswertbaren, über durchschnittlich 17 Monate nachbeobachteten Patienten blieben 75,9 Prozent stabil, 6,6 Prozent verbesserten sich von einer leichten Alzheimer-Demenz zurück zu einer MCI, und 17,6 Prozent zeigten nach klinischer Einschätzung eine Progression. Die Ergebnisse waren über Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und APOE-ε4-Status hinweg konsistent. Die Forschenden schätzen, dass 87,8 Prozent der Patienten auch nach 30 Monaten Behandlung noch in den Frühstadien der Erkrankung verbleiben werden. Auch die genetische Risikokonstellation änderte daran wenig: Bei APOE-ε4-Heterozygoten lag der Anteil stabiler oder gebesserter Patienten bei 81,7 Prozent, bei Homozygoten bei 81,0 Prozent.
Die große Mehrheit der Patienten (86,6 Prozent) setzte die Therapie zum Zeitpunkt der Auswertung fort; 13,4 Prozent brachen sie ab. Gründe waren unter anderem ARIA, Infusionsreaktionen, mangelnde Wirksamkeit, Patientenwunsch, logistische Aspekte sowie weitere unerwünschte Ereignisse. Von 155 Patienten, die auf eine monatliche intravenöse Erhaltungstherapie umgestellt wurden, blieben 72,3 Prozent stabil und 8,4 Prozent verbesserten sich. Von 14 auf eine wöchentliche subkutane Erhaltungsgabe umgestellten Patienten hielten 12 (85,7 Prozent) ihr Krankheitsstadium. Die in Subgruppen erhobenen kognitiven Skalen veränderten sich über die Nachbeobachtung nur moderat, mit mittleren Rückgängen von 1,0 Punkten im Montreal Cognitive Assessment und 1,6 Punkten in der Mini-Mental State Examination; die Werte im Functional Assessment Questionnaire stiegen um 2,0 Punkte.