| Theo Dingermann |
| 29.07.2026 14:30 Uhr |
Die zugelassenen Antikörper Lecanemab und Donanemab sind sehr gut darin, Amyloid-Plaques abzubauen. Allerdings gehen die ARIA-Nebenwirkungen ebenfalls darauf zurück. Der neue Antikörper-Kandidat PMN310 adressiert stattdessen Amyloid-Oligomere und scheint weniger ARIA zu verursachen. / © Adobe Stock/Juan Gärtner
Das kanadische Unternehmen Promis Neurosciences entwickelt PMN310, einen humanisierten monoklonalen Antikörper, der sich ausschließlich gegen toxische Amyloid-β-Oligomere richtet. In einer Pressemitteilung berichtet das Unternehmen über vielversprechende Ergebnisse der Zwischenauswertung einer Sicherheitsstudie.
PMN310 wurde mithilfe einer unternehmenseigenen Plattform so entwickelt, dass der Antikörper ausschließlich kleine lösliche Amyloid-Oligomere erkennt. Weder physiologische Amyloid-Monomere noch Plaques oder vaskuläre Amyloidablagerungen sollen gebunden werden. Die Bindung an diese Strukturen und die Entfernung der Plaques durch die gebildeten Immunkomplexe gilt heute als Hauptursache der ARIA-Komplikationen, also der Hirnblutungen als Folge von Hirnödemen bei Risikopatienten.
In der Alzheimer-Forschung setzt sich zunehmend die Hypothese durch, dass nicht die großen, unlöslichen Plaques, sondern die löslichen Amyloid-Oligomere die eigentlich neurotoxischen Spezies darstellen, die Synapsen schädigen und den kognitiven Abbau antreiben. Das Unternehmen verspricht sich von dem neuen Ansatz nicht nur eine höhere biologische Spezifität, sondern vor allem eine deutliche Verringerung der dosislimitierenden Nebenwirkungen.
Erste Hinweise, dass dieses Konzept aufgehen könnte, liefert nun eine verblindete Interimsanalyse der laufenden Phase-Ib-Studie PRECISE-AD. In die Analyse gingen 136 Patienten mit früher Alzheimer-Erkrankung ein, die mindestens sechs Monate behandelt worden waren. Zu den untersuchten Dosierungen gehören 5, 10 und 20 mg/kg PMN310. Die gesamte Studie umfasst 144 Patienten in den drei Dosierungskohorten, die über einen Zeitraum von 12 Monaten behandelt werden. Patienten mit einem APOE4-Allel wurden in die Studie und die Zwischenanalyse einbezogen.
Da die Studie weiterhin verblindet ist, wurden Verum- und Placebogruppe gemeinsam analysiert. Insgesamt traten ARIA-Ereignisse bei lediglich 4,4 Prozent der Teilnehmer auf. Sämtliche Fälle waren zudem milde asymptomatische Mikroblutungen (ARIA-H). Hirnödeme (ARIA-E), die klinisch besonders problematische Form der Nebenwirkung, wurden bislang überhaupt nicht beobachtet.
Diese Zahlen gewinnen vor allem im Vergleich mit den bereits zugelassenen Antikörpern an Bedeutung. Für Lecanemab (Leqembi®) wurden in den Zulassungsstudien ARIA-E-Raten von etwa 12 Prozent, für Donanemab (Kisunla®) sogar von rund 24 Prozent berichtet. Beide Therapien erfordern deshalb ein engmaschiges bildgebendes Monitoring, insbesondere während der ersten sechs Behandlungsmonate.
Ob PMN310 tatsächlich ein günstigeres Sicherheitsprofil besitzt, lässt sich aufgrund der weiterhin verblindeten Daten zwar noch nicht abschließend beurteilen. Die bisherigen Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass die selektive Oligomer-Bindung das ARIA-Risiko deutlich reduzieren könnte.
Auch pharmakodynamisch liefert die Studie erste ermutigende Signale. Bei der Mehrzahl der Studienteilnehmer gingen Biomarker im Blut und Liquor zurück, darunter insbesondere Plasma-pTau217, das inzwischen als einer der aussagekräftigsten Marker der Alzheimer-Pathologie gilt.
Diese Veränderungen sprechen dafür, dass PMN310 sein molekulares Ziel tatsächlich erreicht. Ob sich daraus jedoch auch eine klinisch relevante Verlangsamung des kognitiven Abbaus ergibt, bleibt bislang offen. Die entscheidenden Daten zu Kognition und Alltagsfunktion sollen nach Abschluss der zwölfmonatigen Behandlung Anfang 2027 vorliegen.