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Speichel
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Lebenswichtiges Mundwasser

Wer den Kirschstein am weitesten spuckt, braucht genügend Speichel im Mund. Was ein fröhliches Spiel ist, kann für viele Menschen problematisch sein: Der Mund ist trocken, die Zunge klebt am Gaumen und ein Schluck Wasser hilft nur kurz. Nicht minder gravierend ist das Gegenteil: zu viel Speichel. Was tun?
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 18.08.2024  08:00 Uhr

Entzündungen der Speicheldrüsen

Entzündungen der Speicheldrüsen können eine oder mehrere Kopfspeicheldrüsen betreffen; man spricht von Sialadenitis. Bei einer Parotitis sind die Ohrspeicheldrüsen entzündet. Der Verlauf kann akut oder chronisch sein, die Drüsen schwellen schmerzhaft an.

Zu den Ursachen zählen Autoimmunerkrankungen, bakterielle sowie virale Infektionen oder Abflusshindernisse in den Drüsengängen (Tabelle 3). Das Risiko steigt bei schlechter Mundhygiene, Mangelernährung, Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushalts (cave Diuretika), Mundtrockenheit (cave Anticholinergika) sowie bei anatomisch bedingten Veränderungen der Ausführungskanäle der Speicheldrüsen.

Erkrankung Ursache Behandlung
Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis), Entzündung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis) Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken), Strahlentherapie, Aids, Tumore Antibiotika, Antipyretika, Analgetika
Mumps Paramyxo-Virus symptomatisch (Analgetika, Antipyretika)
Sjögren-Syndrom: morphologische Veränderungen der Tränen- und Speicheldrüsen Autoimmunerkrankung Linderung der Symptomatik mit Speichelersatz, Pilocarpin
Heerfordt-Syndrom: chronische Entzündung der Ohrspeicheldruse (Parotitis) und der Tranendrüse Sarkoidose Linderung der Symptomatik mit Speichelersatz, Pilocarpin, NSAR, Corticoiden
Speichelsteine Hypersalivation, anatomische Verengung der Speicheldrüsengange Ausschwemmung eines Steins mit Sialagoga, Speichelstein ausdrücken, Operation, Analgetika
Tabelle 3: Speicheldrüsenerkrankungen, deren Ursachen und Behandlung

Mumps (Ziegenpeter), verursacht durch das Paramyxo-Virus, ist die bekannteste akute virale Speicheldrüsenentzündung mit meist einseitiger Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Hamsterbacke). Jede Bewegung des Mundes führt zu starken Schmerzen. Die Behandlung erfolgt symptomatisch mit Analgetika und Antipyretika. Die Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) Kindern ab einem Alter von elf Monaten empfohlen; meist wird kombiniert gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen geimpft.

Staphylokokken oder Streptokokken sind die häufigsten Erreger einer akuten eitrigen Ohrspeicheldrüsenentzündung (Parotitis). Das Risiko ist erhöht bei gestörtem Speichelfluss infolge ungenügender Flüssigkeitsaufnahme oder verringerter Immunkompetenz. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika (Clindamycin, Cephalosporin) und je nach Bedarf mit Antipyretika und Analgetika.

Das Sjögren-Syndrom, eine chronische Autoimmunerkrankung, das Heerfordt-Syndrom, eine Sonderform der Sarkoidose, sowie eine Strahlentherapie, Aids oder Tumoren können eine chronische Speicheldrüsenentzündung nach sich ziehen. Diese ist meist verbunden mit einer Xerostomie.

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