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Lebenserwartung sinkt weiter

In den USA ist im vergangenen Jahr die Lebenserwartung das dritte Jahr in Folge gesunken. Die Gründe sind vor allem die Opiod-Krise und die Zunahme an Suiziden, wie neue Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC zeigen. Der CDC-Leiter Dr. Robert Redfield nennt die Zahlen einen »Weckruf«.
Christina Hohmann-Jeddi
30.11.2018
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Die Lebenserwartung sank dem CDC-Bericht zufolge in 2017 um 0,1 Jahr auf 78,6 Jahre. Seit 2014 ist sie insgesamt um 0,3 Jahre gesunken – das erste Mal seit dem ersten Weltkrieg. Das ist zwar insgesamt sehr wenig, aber für Industrienationen recht ungewöhnlich. »Wir verlieren zu viele Amerikaner zu früh durch vermeidbare Ursachen«, sagte Redfield am 29. November in einem Statement. Er rief dazu auf, sich gemeinsam anzustrengen, um den Trend wieder umzukehren. »Die Vorstellung, dass eine reiche, entwickelte Nation wie unsere eine sinkende Lebenserwartung hat, scheint einfach nicht in Ordnung«, sagte der Verantwortliche für die CDC-Sterblichkeitsstatistik, Robert Anderson, der »New York Times«.

Den CDC zufolge beträgt die Lebenserwartung in den USA für Männer 76,1 Jahre und für Frauen 81,1 Jahre. Die zehn häufigsten Todesursachen bleiben unverändert, ihr Anteil hat sich aber verändert. Während zum Beispiel die Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sank, stieg die Zahl der Suizide (um 3.7 Prozent) und der tödlichen unbeabsichtigten Unfälle (um 4,2 Prozent), zu denen auch Überdosierungen von Medikamenten oder Drogen zählen.

Die Zahl der Drogentoten in den USA ist im vergangenen Jahr laut CDC auf einen Rekordstand gestiegen. Insgesamt 70.237 Menschen starben 2017 an einer Überdosis. Die »New York Times« berichtete, dies seien mehr Tote als in einem einzelnen Jahr durch Autounfälle, Aids oder Schusswaffen in den Vereinigten Staaten. Der Grund ist vor allem der starke Anstieg des Missbrauchs synthetischer Drogen. Wie die »New York Times« schrieb, starben mehr als 28.000 Menschen durch Opioide und ähnliche synthetische Drogen - 2013 waren es noch 3000. Zum Vergleich: In Deutschland starben im vergangenen Jahr 1272 Menschen an einer Überdosis Drogen. Damit war die Zahl der Drogentoten erstmals seit 2012 bundesweit wieder leicht zurückgegangen.

Ein wichtiger Grund für die Krise in den USA ist, dass Ärzte in der Vergangenheit sehr freizügig Opioide als Schmerzmittel verschrieben. Da Opioide auf dem Schwarzmarkt teurer sind als Heroin, weichen viele Abhängige, wenn sie keine Rezepte mehr erhalten, auf diese Droge aus. Laut dem Drogenbeauftragten von Berkeley County in West Virginia, Kevin Knowles, hätten 80 Prozent der Abhängigkeiten mit einem ärztlichen Rezept für Opioide begonnen. Alle sozialen Schichten seien von der Krise betroffen. Dem »New York Times«-Bericht zufolge gibt es  jetzt Anzeichen, dass die Zahl der Toten landesweit am Ende dieses Jahres unter der von 2017 liegen wird.

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