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Norddeutscher Zytostatika-Workshop
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Krebs ist mehr als eine medizinische Herausforderung

Der 29. Norddeutsche Zytostatika-Workshop (NZW) der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP), in diesem Jahr online, war nicht nur zukunftsweisenden wissenschaftlichen Vorträgen und Symposien zu aktuellen Aspekten der Krebstherapie gewidmet. Er bot auch Impulse zur Steigerung der emotionalen Kompetenz onkologisch spezialisierter Ärzte und Apotheker.
AutorKontaktChristiane Berg
Datum 02.02.2021  16:00 Uhr

Mehr klinische Pharmazie für Krebspatienten

Den verstärkten Einbezug der onkologischen Pharmazie in die Versorgung und Betreuung von Krebs-Patienten forderte im weiteren Verlauf der Veranstaltung auch Professor Dr. Andrew Ullmann, MdB, Berlin. Während seiner Aufenthalte in den USA habe er hinsichtlich des Stellenwertes der klinischen Pharmazie sehr positive Erfahrungen gemacht, unterstrich der Humanmediziner und Infektiologe.

Die Stärkung der Rolle des Pharmazeuten trage nicht nur zur Steigerung der Compliance und Minderung von Interaktionen, sondern auch zum professionellen Einsatz der rasant wachsenden Zahl neuer und immer komlexer werdenden Zytostatika bei. Hier müsse der Apotheker dem Mediziner beratend zur Seite steht.

Ullmann hält die generelle Einbindung der Apotheker zur Kontrolle des gesamten Medikamenten-Portfolios bei gleichzeitig besserer Honorierung für unabdingbar und plädiert für eine Honorierung gemäß des Vorbildes der Gebührenordnung der Ärzte. »Hier müssen die Standesgremien der Apotheker lauter werden und sagen, wie sie sich das vorstellen«, konstatierte er. Auch den Einbezug der Apotheker in Impfmaßnahmen halte er für sinnvoll. »Die Hybris, dass der Arzt alles kann, ist überzogen. Ich wäre als Mediziner sehr dankbar, wenn andere Disziplinen mir etwas abnehmen«, hob er abschließend hervor.

Überlebensgeschichten motivieren andere Patienten

Der NZW bietet seit jeher auch  Gelegenheit zu »Blicken über den Tellerrand«, um aufzuzeigen, wie Apotheker über die Herstellung und Anwendung von Zytostatika hinaus zum körperlichen und seelischen Befinden des Patienten beitragen können.  So auch in diesem Jahr. Martin Inderbitzin, Zürich, stellte die von ihm zur mentalen Stärkung von Krebspatienten ins Leben gerufene englischsprachige Internet-Plattform »My Survival Story« vor.

In Videos und Podcasts erzählen Menschen ihre ganz persönlichen Krebsgeschichten – von Ängsten und Depressionen, Rückschlägen und Hoffnungen. Vor allem aber, wie sie es schaffen, trotz Krebs ihr Leben zu leben. »Es geht nicht darum zu zeigen: Du musst einfach nur positiv sein. Wir wollen das ganze Spektrum an Erfahrungen zeigen, das Krebspatienten durchmachen müssen«, so der Neurologe, der selbst vor acht Jahren von der Diagnose Pankreaskarzinom betroffen war.

Wissenschaftlich erwiesen sei, dass der überall und insbesondere beim Googeln auch hinsichtlich Krebserkrankungen auffindbare »demotivierende Schrott« Stress erzeugt, der wiederum das Immunsystem schwächt. »Inspirierende Überlebensgeschichten reduzieren  den Stress und stärken somit die Abwehr und Prognose«, zeigte er sich überzeugt. Das Echo auf seine Plattform, so Inderbitzin, belegt, dass diese offenbar eine Lücke füllt. Die große, auch weltweite Resonanz bestätige ihn in seiner These, dass die Diagnose Krebs von vielen Menschen nicht nur als medizinische, sondern auch als mentale Herausforderung verstanden wird.  

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