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HPV-Infektion

Krebs als Infektionskrankheit

Es ist unter anderem das Verdienst des Deutschen Nobelpreisträgers Professor Dr. Harald zur Hausen, gegen viele Widerstände gezeigt zu haben, dass dauerhafte Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV) bei Männern und Frauen unter bestimmen Umständen Krebs verursachen können. Um davor zu schützen, wurden Impfstoffe entwickelt, von denen einer im Jahr 2007 den PZ-Innovationspreis erhielt.
Theo Dingermann
04.04.2019
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An erster Stelle der durch HPV ausgelösten Krebsformen steht das Zervixkarzinom, die weltweit zweithäufigste Krebsform bei Frauen. Aber auch Tumoren im Mund- und Rachenraum, am Penis und am After gehen auf das Konto von HP-Viren. Nachdem er den Zusammenhang zwischen HPV-Infektion und Krebs gezeigt hatte, lag es für den Virologen zur Hausen förmlich auf der Hand, gegen diese Infektion und damit auch gegen die durch sie verursachten Krebserkrankungen einen Impfstoff zu entwickeln. So zeichnete sich damals, Anfang der 2000er-Jahre, durch diese Hypothese eine völlig neue Form der Tumorprävention ab.

Zwei Firmen nahmen die Impfstoffentwicklung auf und beide waren erfolgreich: Im September 2006 wurde Gardasil®, ein Impfstoff mit Antigenen gegen die HPV-Typen 16, 18, 6 und 11, entwickelt von Sanofi Pasteur MSD, und im September 2007 Cervarix®, ein Impfstoff mit Antigenen gegen HPV 16 und 18, entwickelt von Glaxo-Smith-Kline, von der EU-Kommission zugelassen. Gardasil erhielt 2007 den PZ-Innovationspreis.

Schon sehr bald wurde die HPV-Impfung für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen, und in knapp zwei Jahren hatten 40 Prozent der Mädchen dieser Altersgruppe das Präventionsangebot in Anspruch genommen. Da diese Maßnahme jedoch alles andere als günstig war, entbrannte damals eine heftige Pro- und Kontra-Diskussion zur langfristigen Wirksamkeit und zum Nutzen der Vakzinierung. Denn letztlich beruhte die Zulassung der Impfstoffe auf Surrogat-Para­metern. Man hatte mit der Zulassung nicht warten wollen, bis tatsächlich die Vermeidung von Zervixkarzinomen hätte quantifiziert werden können. Vielmehr orientierte man sich an der Reduktion von Präkanzerosen, die sehr gut nachweisbar sind und auf die routinemäßig seit Jahren in Vorsorgeuntersuchungen durch den Papanicolaou-Test (Pap-Test) gescreent wurde.

Heute hat sich dieses Thema erledigt: Die Impfung ist effektiv und sicher, wie kürzlich auch noch einmal in einer Übersichtsarbeit der Cochrane-Stiftung auf Basis von mehr als 70 000 Probanden gezeigt wurde (DOI: 10.1002/14651858.CD009069.pub3). Und damit nicht genug. Der Impfstoff wurde auch weiterentwickelt. Neben Cervarix, der Anti­gene gegen HPV 16 und 18 enthält, steht mittlerweile Gardasil 9 zur Verfügung. Dieser Impfstoff enthält Antigene gegen die Virustypen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 und ist für Kinder ab einem Alter von neun Jahren, für Jugendliche und Erwachsene zugelassen.

Zu niedrige Impfrate

Leider kann diese innovative Krebspräventionsoption hierzulande ihr volles Potenzial noch nicht entfalten, da sich viel zu wenig Kinder und Jugendliche impfen lassen. Gut zehn Jahre, nachdem die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung in ihre Impfempfehlung aufgenommen hat, liegt die Durchimpfungsrate bei den 15-jährigen Mädchen bei nur 31 Prozent. Bei den 17-Jährigen sind es 43 Prozent.

Anders beispielsweise in Schottland: In einer aktuellen Studie im »British Medical Journal« resümieren die Autoren, dass im Vergleich zu nicht geimpften Frauen, die 1988 geboren wurden, bei mit einem bivalenten HPV-Impfstoff geimpfte Frauen, die 1995 und 1996 geboren wurden, sehr deutliche Verbesserungen beobachtet wurden. Krankheitsstadien vom CIN Grad 3 und schlechter wurden um 89 Prozent seltener, CIN Grad 2 und schlechter um 88 Prozent seltener und CIN Grad 1-Krankheitsstadien um 79 Prozent seltener beobachtet (DOI: 10.1136/bmj.l1161).

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