Steffen Krach ist der Spitzenkandidat der SPD für Berlin. Der 47-Jährige war von 2016 bis 2021 Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Berliner Senatskanzlei. / © Nils Hasenau
Krach will Berlin zur »Apotheke der Welt« machen, wie er gegenüber der PZ sagt. Doch der Einfluss der Landespolitik sei begrenzt, da viele Fragen in die Zuständigkeit des Bundes fallen. »Wir können natürlich über den Bundesrat Einfluss ausüben. Und natürlich auch mit dem Bundesgesundheitsministerium und der Bundesregierung sprechen. Aber überall da, wo wir auch selber unterstützen können, werden wir das machen«, verspricht Krach. Er habe deshalb vor Kurzem ein Gespräch mit der Berliner Apothekerkammer geführt.
Obwohl Apotheken im Wahlprogramm der SPD kaum vorkommen, liegen sie ihm und seiner Partei am Herzen. »Wir haben unser Wahlprogramm bewusst sehr kurz, aber auch sehr konkret gestaltet und haben als einzige Partei ganz oben auf die Agenda das Thema Gesundheit gesetzt. Und dazu gehören natürlich die Apotheken«, verteidigt sich der Spitzenkandidat.
In den kommenden Jahren möchte er Berlin zur Gesundheitsstadt machen. Die Hauptstadt bringe dafür die besten Voraussetzungen mit: Universitäten, die Charité, verschiedene kleine und große pharmazeutische Unternehmen sowie Start-ups. »Und das alles miteinander zu vernetzen, das muss unser Ziel sein«, erklärt der Sozialdemokrat.
Unter dem Motto »Wieder Hauptstadt der Gesundheit« stellt die Partei ihr Wahlprogramm für den Gesundheitsbereich in Berlin vor. Die Stadt habe das Potenzial, die Gesundheitsmetropole Europas zu werden, und solle die Medizin von morgen revolutionieren. Berlin soll Spitzenreiter im Bereich der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung werden. Zu diesem Zweck will die SPD Innovationen in den Bereichen Medizintechnik, Pharmazie und Gesundheitsforschung fördern und bessere Bedingungen für die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Start-ups und Unternehmen schaffen. Auch »ME-CFS, Long Covid und Post VAC« nehme sie ernst. Deshalb will sie auch hier die Forschung und Versorgung verbessern.
Die Partei will sich auf Bundesebene für eine gerechte Finanzierung im Gesundheitsbereich einsetzen. Die SPD will die Charité bei der erfolgreichen Weiterentwicklung unterstützen und den staatlichen Zuschuss dafür erhöhen. Sie strebt eine engere Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern in Berlin und Brandenburg an. Auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) will sie enger zusammenarbeiten, um die »Bedarfsplanung« zu reformieren.
Die Partei möchte in Berlin mehr Therapieplätze für die psychische Gesundheit schaffen, Pflegestützpunkte bekannter machen, die häusliche Pflege stärken und wohnortnahe Pflege- oder Sozialstationen einrichten. Außerdem will sie »Community Health Nurses« einsetzen, eine Maßnahme, die auch von der Linken Berlin gefördert wird. Auch die Einrichtung eines Demenz-Kompetenzzentrums ist geplant.
Geschlechtersensible und altersspezifische Medizin sowie queersensible Gesundheitsversorgung, insbesondere für trans* Patientinnen und Patienten, sollen gestärkt werden. Für Schwangerschaftsabbrüche soll eine entkriminalisierende, diskriminierungsfreie gesetzliche Neuregelung geschaffen werden. Auch die Hebammenausbildung will die SPD ausbauen. Außerdem will sie das Engagement Berlins im Rahmen der »Fast Track Cities Initiative to End Aids« fortsetzen. Damit soll Berlin seinen Beitrag dazu leisten, die HIV-Pandemie bis 2030 zu beenden.
Der 47-Jährige war von 2016 bis 2021 Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Berliner Senatskanzlei. Der Diplom-Politologe wurde 2021 bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen in einer Stichwahl zum Regionspräsidenten der Region Hannover gewählt. Zudem ist er erster stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Hannover.