| Daniela Hüttemann |
| 12.08.2026 10:40 Uhr |
Das ständige Darstellen makelloser Haut in den sozialen Medien erzeugt unrealistische Schönheitsideale und verleitet zu einem ungesunden Körperbild und Überpflegung,nn. / © Getty Images/SrdjanPav
Schon seit einigen Jahren gibt es einen massiven Kosmetik- und Hautpflege-Hype bei Kindern und Jugendlichen, befeuert durch sogenannte Skinfluencer auf Social-Media-Kanälen. Komplexe Skincare-Routinen und dickes Make-up sind jedoch nicht nur unnötig, sondern zum Teil sogar kontraproduktiv für junge Haut. Davor warnt aktuell die Universitätsmedizin Leipzig.
»Die Haut ist unser größtes Organ«, erklärt Dr. Anna-Theresa Seitz, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten am UKL. »Sie schützt uns vor Umwelteinflüssen, Kälte und Krankheitserregern, spielt aber auch für die Sinneswahrnehmung und den Stoffwechsel eine wichtige Rolle.« Die Haut von Kindern und Jugendlichen ist dünner und empfindlicher als Erwachsenenhaut. Sie reagiert schneller auf reizende Inhaltsstoffe. Eine Überpflegung könne zu Allergien oder dauerhaften Sensibilisierungen gegen bestimmte Substanzen führen.
Laut Dermatologin Seitz setzen viele Jugendliche Produkte ein, die in ihrem Alter gar nicht notwendig sind und die auch gar nicht für ihre Haut geeignet, zum Teil sogar schädlich sind. Als Beispiel nennt sie Anti-Aging-Produkte mit Retinoiden. »Retinoidpräparate sind Vitamin-A-Säurepräparate, die die Verhornung der Haarfollikel normalisieren«, erklärt Seitz. »Das nimmt man bei Akne, um die Haut anzuregen, sich neu zu bilden. Das kann aber sehr reizend sein.« In der Folge können Betroffene trockene oder schuppige Haut, Pickel, Pusteln oder Ausschläge entwickeln.
Die Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKL rät, nur altersgerechte Kosmetikprodukte und diese bewusst anzuwenden. Gesunde Haut brauche meist nur eine einfache Pflege und Reinigung. »Was wir auf jeden Fall empfehlen, ist ein täglicher Lichtschutz, der an den jeweiligen Hauttyp angepasst ist«, so Seitz. Dabei gilt es, auf die Formulierung zu achten. »Wenn man zum Beispiel zur Akne neigt, dann ist ein nicht so fettiger Lichtschutz ratsam, bei sehr trockener Haut oder gar einer Neurodermitis sollte man ein Produkt verwenden, das Feuchtigkeit spendet.«
Außerdem sollten Kinder und Jugendliche Kosmetika nicht ständig wechseln und darauf achten, dass sie möglichst frei von Duft- und Konservierungsstoffen sind, empfehlen die Dermatologen. Mit Apps wie »CodeCheck« lassen sich zum Beispiel Produkt-Barcodes scannen, und man erhält Informationen zu den enthaltenen Substanzen inklusive einer Erklärung, ob sie unbedenklich oder problematisch sind (und warum). »Besser wäre natürlich, wenn die Industrie dazu verpflichtet werden könnte, transparenter zu sein und beispielsweise Altersangaben für bestimmte Inhaltsstoffe anzugeben«, so Fachärztin Seitz.
Treten Hautprobleme auf, können Teenager sich an ihre Apotheke oder eine dermatologische Facharztpraxis wenden, die zum Teil auch Kinder- und Jugendsprechstunden anbieten. Bei Akne kann man schwach saure, fettfreie Reinigungsgele oder Emulsionen mit geringem Lipidanteil empfehlen. Als Basistherapie gelten topische Produkte mit Benzoylperoxid. B-Vitamine und Hefepräparate, Teebaumöl und Lokalantibiotika sind dagegen kontraproduktiv.
Nicht nur aus medizinisch-kosmetischer, auch aus psychologischer Sicht halten Experten den Kosmetiktrend für fragwürdig. Unrealistische Ideale können das Selbstbild junger Menschen schädigen. Eltern und anderen Bezugspersonen rät das UKL, sich selbst zu hinterfragen: Wie sieht meine eigene Körperpflege aus, welches Schönheitsideal vertrete ich und welche anderen Werte propagiere ich?
»Wichtig wäre auch, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken, sodass sie beispielsweise in der Lage sind, mit Filtern optimierte Bilder und Videos auf Social Media zu erkennen«, ergänzt Dermatologin Seitz. Realistische Vorbilder zu haben, sei wahrscheinlich immer noch der beste Weg hin zu einem gesunden Körper- und Hautgefühl.