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Vor dem Impfgipfel
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Kommt der »Fahrplan zurück ins normale Leben«?

Müssen Geimpfte wirklich noch einen negativen Schnelltest mitbringen, wenn sie im Laden eine neue Jeans kaufen wollen? Daran werden immer häufiger Zweifel geäußert. Am heutigen Montag wollen Bund und Länder beim Corona-Impfgipfel ausführlich dazu beraten. Laut einem Eckpunktepapier hält die Bundesregierung gewisse Ausnahmen für vollständige Geimpfte für machbar. Bei dem Gipfel dürfte es auch um die Impfpriorisierungen gehen.
AutorKontaktdpa
Datum 26.04.2021  12:40 Uhr

Vor dem für heute geplanten Corona-Impfgipfel von Bund und Ländern mehren sich Forderungen nach Lockerungen für Geimpfte und Genesene. Laut Robert-Koch-Institut seien Geimpfte und Genesene weniger infektiös als negativ getestete Personen. Es sei also »rechtlich geboten, dass Geimpfte dieselben Rechte haben wie Getestete«, sagte CDU-Chef Armin Laschet der »Süddeutschen Zeitung«.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, betonte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: »Wir brauchen jetzt eine klare Vorgabe, dass Personen, die beide Impfungen erhalten haben, aber auch Bürgerinnen und Bürger, die eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben und nachweisbar nicht ansteckend sind, von bestimmten Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes ausgenommen werden.«

Bundesregierung kann sich Ausnahmen für Geimpfte vorstellen

Auch ein am Wochenende fertiggestelltes Eckpunktepapier der Bundesregierung, das für den Gipfel am heutigen Montag bestimmt ist, wies in diese Richtung. Demnach könnten für vollständig gegen Covid-19 Geimpfte und für Genesene bei dem Zugang zu Ladengeschäften und bestimmten Dienstleistungen dieselben Ausnahmen eingeräumt werden, die für negativ Getestete gelten. Bei der Einreise würde in den meisten Fällen die Quarantäne wegfallen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geht derweil davon aus, dass »im Juni oder Juli« über Ausnahmen für Corona-Geimpfte gesprochen werden kann. Das sagte Altmaier den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). »Also ob Menschen, die zweimal geimpft sind, der Aufenthalt in Quarantäne erspart werden kann – etwa nach Kontakten mit Infizierten oder nach Auslandsreisen. Oder ob die Menschen ein Restaurant besuchen können, ohne vorher einen Schnelltest zu machen. Ich kann mir das gut vorstellen.« Aber das seien Fragen, bei denen man stark auf die Expertise der Wissenschaft und ihre Erkenntnisse mit den Impfungen angewiesen sei.

FDP-Chef Christian Lindner begrüßte die Pläne. »Inzwischen ist klar, dass von Geimpften nach der Zweitimpfung und einer Wartezeit keine Gefahr ausgeht. Damit entfällt jegliche rechtliche Grundlage, die Menschen bei der Verwirklichung ihrer Grundrechte einzuschränken«, sagte Lindner der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Auch die Grünen-Rechtsexpertin Katja Keul forderte im »Handelsblatt« die Aufhebung bestimmter Einschränkungen. Sie seien nicht mehr zu rechtfertigen.

Viel Zuspruch für Aufhebung der Impfpriorisierung

Beim Impfgipfel dürfte es auch um die Impfpriorisierung gehen. Landkreistagspräsident Reinhard Sager forderte in der »Neuen Osnabrücker Zeitung« eine Aufhebung der Reihenfolge. Dass einige Länder dies für Astra-Zeneca gemacht hätten, sei richtig. Dem sollten andere Länder folgen. FDP-Chef Lindner plädierte in der Zeitung dafür, die Priorisierung bei den Impfungen in den Arztpraxen »Zug um Zug aufzugeben, insbesondere wenn es um die freiwillige Verimpfung von Astra-Zeneca geht«.

CDU-Chef Laschet mahnte angesichts steigender Impfstoffmengen ebenfalls, in den nächsten Wochen »das Impfsystem für alle zu öffnen« und «spätestens im Juni die Priorisierungen» bestimmter Gruppen bei der Impfung aufzuheben. Den Juni nennt auch das Bundesgesundheitsministerium als möglichen Zeitraum. CSU-Chef Markus Söder hält schon den Mai für möglich. »Nach dem Abarbeiten von bereits vereinbarten Impfterminen sollten alle Impfstoffe für jeden komplett freigegeben werden. Das sollte am besten noch im Mai erfolgen«, sagte Söder der »Bild am Sonntag«. Der bayerische Ministerpräsident schlug ferner vor, auch Schüler ab 16 Jahren »bei ausreichendem Impfstoff« vermehrt zu impfen.

65.000 Ärzte beteiligen sich an der Impfkampagne

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums beteiligen sich inzwischen mehr als 65.000 Ärzte an der Impfkampagne. In der 17. Kalenderwoche (ab dem heutigen 26. April) sollen demnach in den Arztpraxen erstmals mehr als zwei Millionen Dosen verabreicht werden, in der Woche darauf mehr als drei Millionen Dosen. Im zweiten Quartal dieses Jahres sind laut Ministerium von den verschiedenen Herstellern insgesamt 80 Millionen Impfdosen zugesagt worden. Rund 23 Prozent der Deutschen haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten, vollständig geimpft sind rund sieben Prozent

Unterdessen forderte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in der »Bild am Sonntag« einen »Fahrplan zurück ins normale Leben«. »Ende Mai sollten wir in der Lage sein, belastbare Aussagen zu treffen. Ich will, dass wir als Regierung dann klare und mutige Öffnungsschritte für den Sommer festlegen«, sagte Scholz. Damit sollten sich Restaurants auf ihre Öffnung einstellen und die Bürger ihren Sommer planen können. Ebenfalls solle der Zeitpunkt festgelegt werden, ab wann wieder Konzerte, Theater und Fußball im Stadion möglich seien.

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