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Blindheit im Kindesalter

Köderrezeptor im Test

In einer klinischen Studie will das Pharmaunternehmen Bayer prüfen, ob der Wirkstoff Aflibercept auch bei der Behandlung der Frühgeborenen-Retinopathie (ROP) Erfolg bringen kann.
Sven Siebenand
28.06.2019  14:00 Uhr

ROP kann bei Frühgeborenen als Folge einer unvollständigen oder fehlerhaften Entwicklung von Blutgefäßen, die die Netzhaut versorgen, auftreten. Wenn sich die Blutgefäße nicht normal entwickeln, können sie Traktionen auf die Netzhaut ausüben und so zu Netzhautablösung und Narbenbildung führen. Dies kann wiederum zu dauerhaften Sehbeeinträchtigungen und irreversibler Blindheit führen. Auch mit den derzeit verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten sind etwa 6 bis 18 Prozent der Erblindung bei Kindern in den entwickelten Ländern auf ROP zurückzuführen.

Die multizentrische, randomisierte Phase-III-Studie soll Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Aflibercept für die Behandlung von ROP untersuchen. In die Studie sollen etwa 100 Frühgeborene in 34 Ländern eingeschlossen werden. Die Patienten werden randomisiert und erhalten entweder Aflibercept oder eine Laser-Photokoagulation. Der Arzneistoff ist für die Injektion in den Glaskörper des Auges (intravitreale Injektion) als isoosmotische Lösung formuliert.

Wie wirkt die Substanz? Der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor VEGF-A ist ein Protein, das die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregt und beim Wachstum von Gewebe und Organen eine Rolle spielt. Das Protein ist auch an der krankhaften Neubildung von Blutgefäßen mit abnormal erhöhter Durchlässigkeit beteiligt, welche im Auge zu Ödemen führen kann. Aflibercept ist ein rekombinantes Fusionsprotein, bei dem Fragmente der extrazellulären Domänen der humanen VEGF-Rezeptoren 1 und 2 mit dem Fc-Fragment des humanen IgG1 fusioniert wurden. Es wirkt als löslicher Köderrezeptor, der unter anderem VEGF-A mit höherer Affinität als den natürlichen Rezeptor bindet und so dessen Aktivierung hemmt.

Aflibercept (Eylea®) ist bereits zur Behandlung anderer Augenerkrankungen zugelassen, zum Beispiel für Patienten mit neovaskulärer (feuchter) altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD) und zur Behandlung einer Visusbeeinträchtigung aufgrund eines diabetischen Makulaödems (DMÖ).

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