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Zunehmendes Problem
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Klimawandel schadet der Psyche

Ein wichtiges Zukunftsthema ist der Klimawandel mit all seinen negativen Effekten. Wenig beachtet bisher: Er schadet der psychischen Gesundheit.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 06.01.2023  07:00 Uhr

Mehr Angst vor der Zukunft

Prinzipiell kann der Klimawandel Angst vor der Zukunft und schlechte Gefühle verursachen. Hierfür sei eine Reihe von Fachbegriffen, die sich zum Teil überschneiden, in Gebrauch: Eco Distress, Climate Anxiety und Solastalgie. Letzteres bezeichne die Trauer um Lebensorte und Traditionen, die aufgrund des Klimawandels zerstört werden, berichtete Brandt. Dass dies zumindest in der jüngeren Generation ausgeprägte Phänomene sind, zeige eine Umfrage von 2021 unter 10.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen (16 bis 25 Jahre) aus zehn Ländern. »59 Prozent waren sehr besorgt oder extrem besorgt über den Klimawandel«, zitierte der Referent ein Ergebnis der Studie (»The Lancet Planetary Health«, DOI: 10.1016/S2542-5196(21)00278-3). Bei fast der Hälfte hätten die Sorgen negativen Einfluss auf die Alltagsaktivitäten.

Zudem könne der Klimawandel über verschiedene Faktoren indirekt der psychischen Gesundheit schaden. Laut Brandt können Nahrungsmittelunsicherheit, Migration und Arbeitsverlust erhebliche seelische Belastungen bedeuten.

Der Psychiater wies auf eine deutliche Klimaungerechtigkeit hin. Zum einen seien die psychischen Auswirkungen durch den Klimawandel ungleich verteilt, zum anderen hätten die wohlhabenderen Länder, die stärker zum Klimawandel beigetragen haben, höhere Kapazitäten, dessen Folgen entgegenzuwirken. Die Ungerechtigkeit sei auch im medizinischen Bereich zu beobachten: In Ländern mit hoher Lebenserwartung verursachten die Gesundheitssysteme mehr Emissionen als in Ländern mit niedriger Lebenserwartung. »Die Gesundheitssysteme der wohlhabenderen Länder haben eine besondere Verantwortung, den Schäden am Menschen und der Klimaungerechtigkeit entgegenzuwirken.«

Insgesamt gebe es noch einen großen Forschungsbedarf, um den Effekt des Klimawandels auf die Psyche besser zu verstehen, Risikofaktoren zu identifizieren und Präventionsstrategien zu entwickeln. Die Ergebnisse sollten als Grundlage für politische Empfehlungen und für Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Psychiatrie dienen.

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