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Chatbot statt Therapie
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KI bei Depressionen – Hilfe oder Risiko?

Immer öfter ist KI die erste Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Belastungen. Doch die Technologie hat ihre Grenzen. Fachleute warnen insbesondere bei Depressionen vor einer gefährlichen Überschätzung digitaler Systeme.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 30.04.2026  12:30 Uhr

Kritisches Nachfragen kommt zu kurz

Besonders kritisch sehen Experten, dass manche Nutzer KI als Alternative zu einer Behandlung wahrnehmen. »KI kann keine Therapie ersetzen«, sagt Bajbouj. Algorithmen seien auf Empathie programmiert, kritisches Nachfragen und therapeutische Führung kämen dabei meist zu kurz – also genau das, was in einer echten Therapie entscheidend ist.

Auch die Befragung liefert Hinweise darauf: Ein Teil der Betroffenen sieht Gespräche mit KI-Chatbots als Alternative zum Arzt oder zur Psychotherapie. So geben 62 Prozent der Nutzer mit Depression an, die Gespräche mit KI hätten bei ihnen den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten überflüssig gemacht.

Problematisch kann das bei schweren Verläufen sein. »Nebenwirkungen KI-gestützter Behandlung sind kaum systematisch untersucht. Stand heute sind KI-Systeme häufig nicht krisenkompetent«, sagt Bajbouj. Im ungünstigsten Fall verstärkten KI-Systeme belastende oder suizidale Gedanken.

Tatsächlich berichten 53 Prozent der betroffenen Nutzer von verstärkten Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid nach der Nutzung. Hinzu kommt: Viele Angebote sind nicht für therapeutische Zwecke entwickelt, gleichzeitig fehlt es an klaren Regeln, Qualitätsstandards und unabhängiger Kontrolle. Ob KI Betroffenen insgesamt eher hilft oder schadet, ist bislang wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt.

Besser App auf Rezept 

Fachleute raten deshalb, KI allenfalls ergänzend zu nutzen. »Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung, und Betroffene sollten sich unbedingt weiterhin an Hausärzte, Psychiater oder Psychologische Psychotherapeuten wenden«, betont die Stiftung.

Wer digitale Unterstützung nutzen möchte, sollte auf geprüfte Angebote zurückgreifen. Dazu zählen etwa zugelassene digitale Gesundheitsanwendungen – sogenannte »Apps auf Rezept«, die ärztlich verordnet und von der Krankenkasse bezahlt werden – sowie begleitete Onlineprogramme.

An der Online-Befragung nahmen im März 2026 bundesweit 2500 Menschen im Alter von 16 bis 39 Jahren teil.

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