Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Zweites Quartal 2026
-
Keine Trendwende beim Apothekensterben

Im zweiten Quartal 2026 gab es in Deutschland erneut deutlich mehr Apothekenschließungen als Neueröffnungen. Mit Mecklenburg-Vorpommern widersetzt sich immerhin ein Bundesland dem Abwärtstrend.
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 13.07.2026  13:00 Uhr

Am ersten Juli wurde das Apothekenfixum von 8,35 Euro auf 9 Euro erhöht. Zum Jahreswechsel soll eine weitere Erhöhung auf 9,50 Euro erfolgen. Für die Apotheken ist es die erste Honorarerhöhung seit 2013. Wie dringend diese Honoraranpassung nötig ist, zeigt sich wieder einmal in der Zahl der Apothekenschließungen.

Wie eine Abfrage der PZ bei den Landesapothekerkammern zeigt, gab es zwischen April und Juni erneut deutlich mehr Apothekenschließungen als Neueröffnungen. Zwar lagen zum Redaktionsschluss noch nicht zu allen Bundesländern Zahlen vor, doch die verfügbaren Daten zeigen eine deutliche Tendenz.

Der Trend des Apothekensterbens setzte sich auch im zweiten Quartal 2026 fort. Schon im vergangenen Jahr fiel die Zahl der deutschen Apotheken auf 16.601 Betriebsstätten – der niedrigste Stand seit 1977. Doch es gibt einen kleinen Lichtblick: Mit Mecklenburg-Vorpommern gibt es immerhin ein Bundesland, in dem die Zahl der Apotheken im zweiten Quartal 2026 gestiegen ist.

  • In Bayern gab es im zweiten Quartal 2026 neun Apothekenschließungen und eine Neueröffnung. Der Freistaat hatte damit am 30. Juni noch 2603 Apotheken.
  • In Brandenburg gab es eine Apothekenschließung und keine Neueröffnung. Brandenburg hat damit noch 518 Apotheken.
  • In Bremen gab es eine Apothekenschließung und keine Neueröffnung. Der Stadtstaat hat damit noch 117 Apotheken.
  • In Hessen gab es vier Apothekenschließungen und keine Neueröffnung. Hessen hat damit noch 1262 Apotheken.
  • In Mecklenburg-Vorpommern gab es keine Apothekenschließungen und eine Neueröffnung. Der Nordosten hat damit noch 351 Apotheken.
  • In Niedersachsen gab es sechs Apothekenschließungen und zwei Neueröffnungen. Der Nordwesten hat damit noch 1616 Apotheken.
  • In Nordrhein gab es 14 Apothekenschließungen und vier Neueröffnungen. Der Kammerbezirk hat damit noch 1886 Apotheken.
  • Im Saarland gab es zwei Apothekenschließungen und keine Neueröffnung. Das kleinste Flächenland hat damit noch 248 Apotheken.
  • In Sachsen gab es eine Apothekenschließung und eine Neueröffnung. Der Freistaat hat damit noch 864 Apotheken.
  • In Schleswig-Holstein gab es eine Apothekenschließung und keine Neueröffnung. Der Norden hat damit noch 550 Apotheken.
  • In Thüringen gab es drei Apothekenschließungen und zwei Neueröffnungen. Der Freistaat hat damit noch 472 Apotheken.

Die zahlreichen Schließungen alarmieren die Apothekerschaft, die die Arzneimittelversorgung in Deutschland zunehmend bedroht sieht. »Apotheken sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung – in der Stadt wie auf dem Land«, sagt etwa Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein. »Damit das auch in der Zukunft so bleibt, brauchen die Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen und echte wirtschaftliche Planungssicherheit.«

Die Honorarerhöhung und das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) bewertet er positiv. »Die Reform geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zusätzlichen Kompetenzen zeigen, wie wichtig Apotheken für eine moderne, niederschwellige Gesundheitsversorgung sind«, so Hoffmann. »Viele Apothekenteams können diese neuen Möglichkeiten schon bald aktiv nutzen und ihre Versorgungsangebote weiterentwickeln.«

Mehr von Avoxa