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Corona-Pandemie

Keine Sorge vor weiterer Welle

Mit einer weiteren großen Welle der Corona-Pandemie sei in Deutschland nicht zu rechnen, sagt die Infektiologin Professor Dr. Maria Vehreschild. Dazu funktionierten die eingesetzten Maßnahmen zu gut.
Christina Hohmann-Jeddi
11.09.2020  16:00 Uhr

Das Wort Welle suggeriere, dass etwas sehr stark ansteige und dann wieder steil abfalle, erklärte Vehreschild, die am Universitätsklinikum Frankfurt am Main den Schwerpunkt Infektiologie leitet, am Mittwoch in einem Webcast von Pharma4u in Kooperation mit der Pharmazeutischen Zeitung. Mit einem solchen epidemiologischen Geschehen sei derzeit in Deutschland nicht zu rechnen. Aus ihrer Sicht realistischer sei, dass die Infektionszahlen auf einem relativ konstanten Niveau blieben. »Und das sollte möglichst niedrig liegen.« Der Grund für Vehreschilds Optimismus sind die inzwischen eingesetzten Schutzmaßnahmen: »In der aktuellen Pandemie haben wir viele Dinge gelernt, die jetzt zur Anwendung kommen und funktionieren.«

Der in den vergangenen Wochen beobachtete Anstieg der SARS-CoV-2-Infektionen sei zum Teil auf eine vermehrte Reisetätigkeit und damit eine Zunahme an Infektionsmöglichkeiten zurückzuführen, aber auch auf eine veränderte Teststrategie. Alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen sich auf das Coronavirus testen lassen, alle anderen können sich testen lassen. Dadurch erfasse man eine ganz andere Zielgruppe als zuvor.

Vor allem jüngere Menschen seien jetzt unter den Infizierten und »asymptomatische Träger des Virus, die wir ohne die vorgeschriebene Testung nicht gefunden hätten«. Als Folge seien weniger schwere Verläufe von Covid-19 zu beobachten. Insgesamt habe die Gesellschaft auch gelernt, Ältere besser zu schützen und im Umgang mit ihnen vorsichtiger zu sein.

Bei Fieber und Husten zu Hause bleiben

Aber nicht nur auf ältere, sondern auf alle Mitmenschen müsse man in der Pandemie verstärkt Rücksicht nehmen, so Vehreschild. So stelle sich etwa die Frage, mit welchen Symptomen man sein Kind in die Schule schicken beziehungsweise man selbst zur Arbeit gehen könne, jetzt drängender als sonst. Hier gab die Infektiologin einige Tipps: »Bei Fieber und Husten sollte man ganz klar zu Hause bleiben.« Bei milderen, unklaren Symptomen sollte man einen Tag zu Hause bleiben, abwarten und sich im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig testen lassen.

»Es wird uns Bürgern einiges zur Verfügung gestellt, um Covid-19 auszuschließen. Das würde ich auch nutzen«, riet die Infektiologin. Erst vor Kurzem hatte der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften eine Empfehlung veröffentlicht, wann Kinder der Schule oder der Kita fernbleiben sollten und wann ein Coronatest indiziert ist

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