Pharmazeutische Zeitung online
Forschung

Keine Erkältung dank Impfung?

Relativ weit ist die Entwicklung einer Impfung und monoklonaler Antikörper gegen RSV. Stand März 2020 befanden sich mehr als 20 Kandidaten auf Basis unterschiedlicher Impfprinzipien wie Lebend-, Partikel-, Vektor- und rekombinanten Vakzinen in der klinischen Entwicklung, sowohl für Kinder und ältere Menschen als auch für werdende Mütter, um Neugeborene zu schützen. Erste Impfstoffentwicklungen in den 1960er-Jahren mit Lebendvakzinen schlugen fehl, da eine verstärkte respiratorische Erkrankung auftrat. Noch im vergangenen Jahrzehnt scheiterten zwei Impfstoffe und ein monoklonaler Antikörper in der Phase IIb und III, unter anderem, da die Immunologie einer RSV-Infektion offenbar immer noch nicht ganz verstanden ist. Die Forschung wird unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung gefördert.

Aber auch an Impfstoffen gegen Rhinoviren wird seit mehr als 50 Jahren geforscht. Dabei kamen durchaus einige Hoffnungsträger heraus, die jedoch nur eine gute und anhaltende Immunantwort gegen einen bestimmten Subtyp hervorriefen, ohne eine breiter schützende Cross-Immunität auszulösen. Ein Problem ist aber, dass sich die mehr als 150 Subtypen auf drei Gruppen verteilen, die unterschiedliche Rezeptoren für ihren Eintritt in die menschlichen Zellen nutzen. Theoretisch könnte man sich zig-valente Impfstoffe vorstellen; ein 50-valenter Impfstoff mit inaktivierten Rhinoviren erwies sich 2016 im Tierversuch bei Rhesusaffen als erfolgreich, doch wäre die Produktion aufwendig und teuer.

Heutzutage suchen Forscher daher nach breit neutralisierenden Vakzinen. Dabei favorisieren sie hoch konservierte Proteine oder Peptide als Antigene. Als ein vielversprechendes Target gelten dabei die Rhinovirus-Capside. Dort setzte bereits vor einigen Jahren schon ein Team der MedUni Wien unter Leitung des Allergologen Professor Dr. Rudolf Valenta an. Sein Ziel ist es, die wenig variablen Capsid-Strukturen von Rhinoviren als Antigen zu nehmen, die die Viren zum Andocken an die menschlichen Schleimhautzellen brauchen.

Doch auch dabei werden sich nicht alle Virus-Subtypen abdecken lassen. Das Wiener Team will aber zumindest die Stämme erwischen, die Auslöser für schwerere Erkrankungen wie Asthma sein können. 2018 vermeldete die Universität, ein Peptid des Rhinovirus-Hüllproteins als einen Marker für alle gefährlichen Rhinovirenstämme identifiziert zu haben. »Jetzt kennen wir endlich exakt jene Rhinoviren-Stämme, die solche Anfälle auslösen«, erklärte vor zwei Jahren Katarzyna Niespodziana, Erstautorin des in »Nature Communications« veröffentlichten Fachartikels

»Wir arbeiten gezielt an einem Impfstoff für diese Asthma-auslösenden Virenstämme«, so Niespodziana. Sie hätten aufgrund ihrer Gefährlichkeit Priorität gegenüber den normalen Schnupfenviren. Bislang gibt es jedoch noch keine neuen Publikationen zum weiteren Fahrplan eines solchen Impfstoffs.

Seite<123>

Mehr von Avoxa