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Brustkrebs-Patientinnen

Keine Antioxidanzien während der Chemo

Die Einnahme von bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln während der Dauer der Chemotherapie kann für Patientinnen mit Brustkrebs negative Folgen haben. In einer aktuellen Studie waren sowohl das Rezidiv- als auch das Sterberisiko erhöht.
Annette Mende
20.12.2019
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Antioxidanzien wie Vitamin E, β-Carotin und Selen schützen den Körper vor oxidativem Stress und stehen deshalb im Ruf, einen gewissen Schutz vor Krebserkrankungen zu bieten. Auch Patienten, die bereits an Krebs erkrankt sind, wollen oft durch die Einnahme entsprechender Nahrungsergänzungsmittel ihre Heilungschancen verbessern. Gerade bei ihnen ist der Nutzen unter Medizinern aber sehr umstritten, da beispielsweise die Wirkung einer Chemotherapie zumeist auf induziertem oxidativem Stress beruht, was durch Antioxidanzien konterkariert werden könnte. Die meisten Onkologen empfehlen daher ihren Patienten, zumindest während der Dauer der Chemotherapie keine Antioxidanzien einzunehmen.

Wie richtig diese Empfehlung ist, zeigt nun eine im »Journal of Clinical Oncology« erschienene Arbeit. Mediziner der Southwest Oncology Group (SWOG), einer staatlich geförderten Forschungskooperation in den USA, werteten hierzu die Ergebnisse einer Befragung von Frauen und (wenigen) Männern mit Brustkrebs zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aus. Die 1134 Probanden füllten zweimal entsprechende Fragebögen aus, einmal vor und ein zweites Mal sechs Monate nach der Chemotherapie. 18 Prozent nahmen demnach mindestens ein Antioxidans täglich ein, 44 Prozent Multivitamin-Präparate.

Wichtige Ergebnisse waren:

Aus Sicht des Autorenteams um Dr. Christine Ambrosone vom Roswell Park Comprehensive Cancer Center in Buffalo, New York, lassen sich aus der Studie zwar keine verbindlichen Empfehlungen für Krebspatienten und ihre Ärzte ableiten. Hierzu seien größere, randomisierte Studien erforderlich. Die Ergebnisse untermauerten jedoch eindeutig die Richtigkeit der Empfehlung an Krebspatienten, während der Chemotherapie vorsichtig zu sein.

»Krebspatienten sollten ihren behandelnden Arzt fragen, ob sie Vitamine oder andere Supplemente einnehmen sollen«, so Ambrosone in einer Pressemitteilung des SWOG-Netzwerks. Sie empfehle Betroffenen, ihren Vitamin- und Mineralstoffbedarf über die normale Nahrung zu decken. Eine gesunde Mischkost enthalte alle Nährstoffe, die der Körper brauche, auch während einer Chemotherapie. Sollten Veränderungen des Geschmacksempfindens oder Appetitverlust während der Therapie es erschweren, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu essen, sollten Patienten sich zwecks Ernährugsberatung an ihren Arzt wenden.

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