Die Techniker Krankenkasse und GWQ schreiben gemeinsam Biosimilars aus. / © Imago/dts Nachrichtenagentur
Die Techniker Krankenkasse (TK) und die GWQ ServicePlus AG (GWQ), eine Gemeinschaft von 73 Krankenkassen, schreiben jeweils sieben Wirkstoffe in zwölf Fachlosen als jeweilige Federführer für insgesamt 40 Krankenkassen mit zusammen über 30 Millionen Versicherten aus. Das teilten TK und GWQ gemeinsam mit.
Das Umsatzvolumen beider Ausschreibungen liegt demnach bei zusammen rund 1,56 Milliarden Euro pro Jahr. Neben 35 BKK- und IKK-Kundenkassen der GWQ beteiligen sich auch DAK-Gesundheit, KKH, HEK und hkk. Die Frist zur Angebotsabgabe endet am 3. Juni 2026. Der Vertragsstart ist zum 1. Januar 2027 vorgesehen. So soll der Industrie ausreichend Zeit bleiben, sich auf die Umsetzung der Verträge vorzubereiten.
Mit der kassenartenübergreifenden Ausschreibung verfolgen TK und GWQ nach eigener Aussage das Ziel, die Nettokosten für die Solidargemeinschaft für biologische Fertigarzneimittel zu senken und zugleich die Versorgung planbarer aufzustellen. Aus Sicht beider Partner ist ein wirksamer Wettbewerb in diesem Marktsegment notwendig, um Einsparpotenziale zu nutzen und einen zusätzlichen Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen zu leisten.
Nach Einschätzung der Krankenkassen zeige sich in anderen europäischen Märkten, dass im Wettbewerb um Biosimilars zum Teil deutlich niedrigere Preisniveaus erreichbar seien als in Deutschland. Als Beispiel nennen die Kassen Adalimumab: Ein europäischer Preisüberblick weise auf Ebene der öffentlichen Listenpreise deutliche Unterschiede aus. Für Deutschland wurden demnach für das umsatzstärkste Produkt (Hyrimoz® 40 mg/0,4 ml Injektions-Lösung im Fertig-Pen) 2750 Euro je Packung berichtet. Für Finnland waren es 255 Euro je Packung.
Aus Sicht von TK und GWQ ist es daher folgerichtig, auch Biosimilars einem konsequenten Wettbewerb zu unterstellen und so weitere Einsparpotenziale zu erschließen.
Die Kassen sehen außerdem in der Möglichkeit, verbindliche Mengenvorgaben festzulegen, einen weiteren Vorteil der Ausschreibung. Die Vertragspartner würden so dazu verpflichtet, entsprechende Lagerbestände aufzubauen und die Versorgung über die vorgesehene Laufzeit von zwei Jahren zuverlässig abzusichern.
TK und GWQ erklären, dass die kassenartenübergreifende Ausschreibung auch für die Patienten und die Apotheken Vorteile habe. Die Vertragspartner würden bis zu 42 Prozent der GKV-Versicherten beliefern. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Produkte der Vertragspartner direkt in der Apotheke verfügbar sind und nicht erst über den Großhandel bestellt werden müssen. Zugleich könne eine stärkere Fokussierung auf die Arzneimittel der Vertragspartner dazu beitragen, dass das pharmazeutische Personal schneller Routine mit produktspezifischen Details, zum Beispiel dem jeweiligen Device, hat und Patientinnen und Patienten dementsprechend beraten kann.
Die Hersteller, die seit Langem vor einem ruinösen Wettbewerb und einem Abwandern der Produktion warnen, sind über die Ausschreibung allerdings nicht glücklich. Die AG »Pro Biosimilars« vom Verband Pro Generika wirft den Krankenkasse vor, dass sie die Zuschläge exklusiv an den Hersteller mit dem günstigsten Preis vergeben wollten. Der Verband verweist darauf, dass das Bundesgesundheitsministerium diese exklusiven Ausschreibungen eigentlich ablehne.
»Die Politik will diese Ausschreibungen nicht – aber die Krankenkassen ignorieren das«, so Christopher Kirsch, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars. »Im Pharmadialog wurde besprochen, dass es eine Regelung braucht, die eine Wiederholung der Versorgungsmisere bei Generika verhindert. Statt zu warten, bis diese verabschiedet ist, schaffen die Kassen Fakten.«
Das Vorgehen der Kassen löse bei den Unternehmen Unsicherheit aus und sei Gift für Investitionen. »Wir brauchen klare Regeln und müssen uns auf politische Zusagen verlassen können«, so Kirsch. Er sehe nur eine Möglichkeit: »Die Politik muss den Krankenkassen klar machen, dass sie die exklusiven Ausschreibungen nicht will – und eine entsprechende Regelung schleunigst auf den Weg bringen.«