TK-Chef Jens Baas sieht großes Sparpotenzial bei Biosimilars. / © Nele Martensen; Techniker Krankenkasse
Mit dem geplanten Beitragssatzstabilisierungsgesetz will die Koalition die explodierenden Ausgaben für die Gesundheitsversorgung zügeln, die zu immer höheren Krankenkassenbeiträgen führen. Doch die Techniker Krankenkasse (TK) bemängelt jetzt, dass der Gesetzentwurf die Beitragszahlenden stark belaste, während gleichzeitig Einsparpotenziale im Bereich Arzneimittel ungenutzt blieben.
Laut der TK liegen die größten Sparmöglichkeiten bei den biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln. Bei diesen Biologika ließen sich demnach durch einen Austausch gegen Biosimilars und damit verbundene Rabattverträge hohe Kosten einsparen.
Die Krankenkasse bemängelt, dass der aktuelle Gesetzentwurf zwar einen dynamischen Herstellerabschlag für Arzneimittel vorsehe, Biosimilars aber davon ausschließe. Die Hersteller würden davon erheblich profitieren und gleichzeitig ein Verbot exklusiver Ausschreibungen für diese Produktgruppe fordern.
Angesichts der aktuellen GKV-Finanzsituation sei das unverhältnismäßig, kritisiert Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: »Das Spargesetz bringt rund 1,9 Milliarden Euro im Arzneimittelbereich insgesamt – ein Biosimilar-Stopp würde mehr als das Doppelte an Mehrausgaben verursachen. Ein Ausschreibungsverbot hieße unter dem Strich, dass die Pharmabranche sogar mit einem Plus aus dem Spargesetz herausgeht.«
In anderen europäischen Ländern kämen patentgeschützte biologische Arzneimittel deutlich günstiger auf den Markt. Nach dem Patentablauf würden häufiger sogenannte Biosimilars als Nachahmerpräparate abgegeben. »Der verspätete Einstieg in den Biosimilar-Austausch und fehlende Möglichkeiten, Rabattverträge zu schließen, haben die GKV seit 2022 etwa sieben Milliarden Euro Einsparungen gekostet. Allein für 2025 wären Einsparungen von schätzungsweise 2,9 Milliarden Euro im biosimilarfähigen Markt möglich gewesen«, sagt TK-Chef Baas.
»Biosimilars bieten ein erhebliches Potenzial, die Gesundheitskosten zu senken und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu stärken«, so Baas. Auf der einen Seite wirkten gezielte Ausschreibungen, exklusive Rabattverträge und eine konsequente Preistransparenz ausgabendämpfend. Auf der anderen Seite sorgten Rabattverträge durch Liefer- und Lagervorgaben dafür, dass die Arzneimittel im Bedarfsfall besser verfügbar sind.
Das Einsparpotenzial könnte laut Baas in den nächsten Jahren sogar noch deutlich steigen. Aktuell stünden noch viele umsatzstarke Biologika unter Patentschutz, darunter der Spitzenreiter der GKV-Ausgaben, das Krebsmittel Pembrolizumab. In den nächsten Jahren würden dieser und viele weitere Wirkstoffe allerdings biosimilarfähig.
Die Pharmabranche warnt indes schon lange vor einem ruinösen Preiswettbewerb bei Biosimilars und befürchtet ein Abwandern der deutschen Produktion. Deutschland könne seine führende Rolle in der Entwicklung von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln verlieren.