Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Gesundheitsminister Linnemann
-
Kassen skeptisch, Opposition alarmiert

Carsten Linnemann wird neuer Gesundheitsminister. In der Vergangenheit ist er auch durch umstrittene Äußerungen im Gesundheitsbereich aufgefallen. Die Krankenkassen und die Opposition sind alarmiert
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 25.07.2026  11:55 Uhr

Der Rücktritt von Jens Spahn (CDU) als Fraktionsvorsitzender wegen der Leihmutter-Affäre führte zu Umstrukturierungen innerhalb der Regierung. Somit wird Thorsten Frei (CDU) Spahn als Fraktionsvorsitzenden ersetzen. Den Posten von Frei als Kanzleramtschef übernimmt Nina Warken (CDU). Ihre Stelle als Gesundheitsministerin tritt Carsten Linnemann an, der bislang Generalsekretär der CDU war.

Merz kündigte dies heute in einem Pressestatement an und bezeichnete den zukünftigen Minister als standfest und reformwillig. Er habe während der Koalitionsverhandlungen den Bereich Gesundheit mitverantwortet und wisse somit, wovon er spreche.

Der CDU-Politiker ist jedoch in der Vergangenheit mit umstrittenen Aussagen aufgefallen. So forderte er Anfang 2025 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk im Zuge des Anschlags von Magdeburg ein Register für psychisch kranke Menschen. »Es reicht nicht aus, Register anzulegen für Rechtsextremisten und Islamisten, sondern in Zukunft sollte das auch für psychisch Kranke gelten«, sagte der als »sozialpolitischer Hardliner« geltende Politiker damals. Eher für Satire-Stoff sorgte seine Aussage in der ARD-Talkshow von Caren Miosga, Rentnerinnen und Rentner würden zu wenig arbeiten.

Gürpinar bereitet sich auf »Abwehrkämpfe« vor

Nichts Gutes laut der Opposition. »Carsten Linnemann ist bisher vor allem dadurch aufgefallen, nach unten zu treten. Gerade im vulnerablen Gesundheitsbereich bedeutet das für uns viele Abwehrkämpfe«, teilte der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Ates Gürpinar, auf Anfrage der PZ mit.

Die Grünen-Abgeordnete und Ärztin Paula Piechotta kritisiert hingegen im Gespräch mit dem Tagesspiegel, dass durch die Einarbeitung des Politikers wertvolle Zeit verloren gehen werde. »Mit Carsten Linnemann zieht der nächste fachfremde Minister ins Bundesgesundheitsministerium ein, der wie Warken einige Zeit brauchen wird, um sich in die komplizierte Materie einzuarbeiten.«

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, wünscht sich vom neuen Gesundheitsminister, dass sich die Strukturreformen stärker am Bedarf der Patientinnen und Patienten ausrichten. In einer Pressemitteilung spricht er von einer anstehenden »Mammutaufgabe« für Linnemann.

Denn es stehen nicht nur die Strukturreform im Bereich der Primärversorgung, sondern auch die Pflegereform an. Zwar zielt diese auf die Stabilisierung der Pflegekassen ab, wird jedoch von Verbänden als Verschlechterung der Versorgung betrachtet. Geplant sind unter anderem eine Verringerung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, eine Erschwerung des Zugangs zu Pflegegraden und eine Reduzierung einiger Leistungen.

Frauengesundheit nicht als Nischenthema behandeln

Mit Nina Warken hatte bislang eine Frau das Amt inne, die sich als Vorsitzende der Frauenunion die Verbesserung der Frauengesundheit besonders auf die Fahnen geschrieben hatte. Ob dieser Fokus unter Linnemann erhalten bleibt, ist noch unklar.

»Geschlechtsspezifische Unterschiede in Forschung, Diagnostik, Prävention und Versorgung müssen dauerhaft auf der politischen Agenda bleiben«, sagt Katharina Schmidtke, die Vorstandsvorsitzende vom Netzwerk Healthcare Frauen, gegenüber der PZ. »Wir erwarten vom neuen Gesundheitsminister, dass Frauengesundheit nicht als Nischenthema behandelt wird, sondern als zentraler Bestandteil einer modernen und gerechten Gesundheitsversorgung.«

Mehr von Avoxa