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DMEA
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Kassen-Chef will Apotheken für ePA begeistern

Die ePA ist inzwischen im Alltag der Apotheken angekommen. Doch wie geht es jetzt weiter? Das wurde am Dienstag auf der Digitalmesse DMEA in Berlin diskutiert. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 22.04.2026  14:00 Uhr

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde die elektronische Patientenakte (ePA) für alle in Deutschland eingeführt. Inzwischen ist die Nutzung für Apotheken, Praxen und andere Leistungserbringer verpflichtend. Doch welche Probleme gibt es aktuell noch? Und was muss getan werden, damit die ePA die großen Versprechen einlöst? 

Für die Podiumsdiskussion auf der DMEA waren Thomas Grechenig (Professor und Gründer RISE GmbH), Maike Henningsen (Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe), Claudia Schmidtke (Professorin und Sprecherin des Universitären Herzzentrum Lübeck) und Andreas Storm (Vorstandsvorsitzender bei DAK-Gesundheit) eingeladen. Die Moderation übernahm Rebecca Beerheide, Leiterin der politischen Redaktion des deutschen Ärzteblatts. 

Andreas Storm betonte gleich zu Beginn, dass er den ePA-Start für einen großen Erfolg hält. »Wir wollten eine flächendeckende ePA erreichen und dafür war das Opt-out-Modell der Schlüssel. Nach einem Jahr können wir feststellen, dass die ePA in der Fläche angekommen ist. 94 Prozent der gesetzlich Versicherten haben eine ePA. Diese ePA funktioniert«, so der Kassenchef. Es sei außerdem ein Erfolg, dass die Patientenakten inzwischen verpflichtend von den Leistungserbringenden befüllt werden. In den vergangenen zwölf Monaten habe die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens größere Fortschritte gemacht, als in den zehn Jahren davor. 

Patienten vom Mehrwert überzeugen

Auch für Maike Henningsen ist die ePA ein Fortschritt, insbesondere da sie jetzt einfachen Zugriff auf die Vorbefunde ihrer Patientinnen hat. Doch die Gynäkologin sieht auch Probleme: »Aber es gibt aktuell noch keine große Awareness. Die Patientinnen wissen oft nicht, dass es die ePA gibt. Für viele Patientinnen ist noch nicht klar, wo der Mehrwert ist, und die wenigsten fragen proaktiv nach.« Außerdem lägen in vielen Akten zu viele unstrukturierte Daten, die dadurch im Praxisalltag kaum Nutzbar seien.  

Dass die meisten Patientinnen und Patienten keinen großen Mehrwert aus der ePA ziehen können, wurde auch von Claudia Schmidtke beklagt. »Doch ein Mehrwert ist immer da, wenn es zu Brüchen in der Behandlung kommt. Wenn ein Patient zum Beispiel vom stationären in den ambulanten Bereich wechselt. Dann liegen die Befunde und Medikationspläne in der ePA vor.« Es sei unbedingt notwendig, die Patientinnen und Patienten über diese Vorteile aufzuklären. 

Thomas Grechenig beklagte, dass viele Entwicklungen in Deutschland zu langsam gingen. Dennoch ist der Professor optimistisch. »Digitale Souveränität bedeutet, dass man die richtigen Komponenten schlau einsetzt und Software verwendet, deren Daten nicht ins Ausland gehen. Bei diesem Thema ist Deutschland anderen Ländern voraus. Wir sind zwar langsam, aber unser Fundament ist super.«

ePA-gestütztes Primärversorgungssystem 

Die Bundesregierung arbeitet aktuell an einem Primärversorgungssystem, in dem Patientinnen und Patienten erst ihren Hausarzt aufsuchen sollen, der sie bei Bedarf an einen Facharzt verweist. Auch die ePA könnte in diesem System wichtig werden, insbesondere zur Unterstützung digitaler Ersteinschätzungsverfahren. Doch Maike Henningsen erklärte, dass es ihr aktuell noch schwerfalle, sich ein solches System in der Praxis vorzustellen. »Ersteinschätzung ist natürlich sinnvoll. Aber ich sehe, dass die Frauen zu 98 Prozent richtig  bei uns sind«, so die Gynäkologin.

Claudia Schmidtke erzählte, dass es in ihrer Kindheit auf dem Dorf einen Hausarzt gab, der alle Familienmitglieder kannte und genau wusste, welcher Patient wo versorgt werden musste. »Diese Strukturen haben wir heute nicht mehr. Wenn wir das mit neuen digitalen Versorgungsformen wieder hinbekommen, wäre das wunderbar«, sagte die Professorin. Aktuell würden sich zu viele Patientinnen und Patienten verloren fühlen. 

Andreas Storm konnte dieser Idee viel abgewinnen. »Wir müssen  anhand von wissenschaftlichen Kriterien und digitalen Instrumenten sicherstellen, dass der Patient so gut versorgt wird, dass er das gleiche gute Gefühl hat, wie beim Hausarzt in den 70er Jahren«, sagte der Kassenchef. Damit ein solches Konzept Erfolg haben kann, müssten die beteiligten Ärzte und Apotheker das Gefühl bekommen, dass sie an einer guten und sinnvollen Sache arbeiten. Aktuell hätten viele Leistungserbringer einen sehr negativen Blick auf die neuen digitalen Prozesse. »Das müssen wir mindestens genauso in den Griff bekommen, wie die technischen Voraussetzungen«, so Storm. 

Für Thomas Grechenig war es wichtig zu betonen, dass ePA-gestützte digitale Ersteinschätzungsverfahren technisch bereits machbar wären. »Aber die Technik kann ohne den entsprechenden Willen des Gesetzgebers nichts tun. Die Basis ist da, und wenn man auf die Streitereien verzichtet, können die Techniker schnell handeln«, so der Professor. Grechenig ging zwar davon aus, dass es auch in 20 Jahren noch Diskussionen um nicht funktionierende Digitalanwendungen geben werde, »aber  ich war noch nie so optimistisch wie heute«.

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