| Sven Siebenand |
| 25.08.2026 16:20 Uhr |
Das Ergebnis fiel deutlich aus: Von allen 503 untersuchten Berufen hatten Flugbegleiter mit 6,9 Prozent den höchsten risikoadjustierten Anteil an Todesfällen durch strahlenassoziierte Krebsarten, Piloten folgten mit 6,7 Prozent auf Rang zwei. Bei Krebsarten, die nicht als strahlenassoziiert eingestuft wurden, zeigte sich dieses Muster dagegen nicht; hier lagen beide Berufsgruppen ungefähr im Mittelfeld. Auch die am Boden arbeitenden Flugzeugmechaniker und -monteure wiesen keine vergleichbare Erhöhung auf. Selbst die als positive Kontrolle untersuchten Nukleartechnologen lagen bei der strahlenassoziierten Krebssterblichkeit »lediglich« auf Rang zwölf.
Im Vergleich zur in anderen Branchen arbeitenden Bevölkerung hatten Flugbegleiter ein um etwa 50 Prozent und Piloten ein um 36 Prozent höheres Risiko, an einer strahlenbedingten Krebserkrankung zu versterben. Statistisch signifikant waren die Zusammenhänge bei Piloten und Flugbegleitern unter anderem für Brustkrebs, Tumoren des zentralen Nervensystems, Prostatakrebs und Melanome; bei Piloten zusätzlich für Leukämien.
Die Autoren interpretieren die Ergebnisse als Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der kumulativen kosmischen Strahlenbelastung während des Fliegens und der erhöhten Krebssterblichkeit. Einen ursächlichen Zusammenhang kann die Untersuchung jedoch nicht beweisen. Zu den wesentlichen Einschränkungen gehört, dass keine individuellen Angaben zur tatsächlich aufgenommenen Strahlendosis oder zur Dauer der beruflichen Exposition vorlagen. Zudem könnten Berufsangaben auf Sterbeurkunden falsch klassifiziert sein und weitere Faktoren – etwa die Störung des Tag-Nacht-Rhythmus – die Ergebnisse beeinflussen.
In einem begleitenden Kommentar in »JAMA Internal Medicine« ordnen Professor Dr. Catherine M. Olsen vom QIMR Berghofer Medical Research Institute in Herston, Australien, und Dr. Ken Karipidis von der Australian Radiation Protection and Nuclear Safety Agency das Ergebnis der Analyse ein. Zusammenfassend sind auch sie der Auffassung, dass die Studie ein Signal dafür liefert, dass die erhöhte Sterblichkeit an bestimmten Krebsarten bei Piloten und Flugbegleitern mit beruflichen Expositionen während des Fliegens zusammenhängen könnte; sie beweist aber noch nicht, dass kosmische Strahlung die Ursache ist.
Trotz dieser Unsicherheit haben die Ergebnisse für Olsen und Karipidis praktische Relevanz. Sie sind der Meinung, dass die Erhebung der beruflichen Anamnese routinemäßig Fragen zur Tätigkeit als Flugpersonal, zur Dienstzeit und zu den Flugstreckenarten umfassen sollte. Piloten sollten über die berufliche UV-A-Exposition aufgeklärt und dazu angehalten werden, während des Fluges Sonnenschutz zu verwenden. Jährliche Hautuntersuchungen können für das gesamte Flugpersonal gerechtfertigt sein, wobei die Schwelle für eine Überweisung an einen Dermatologen niedrig angesetzt werden sollte. Bei weiblichen Flugbesatzungsmitgliedern mit langer Berufszugehörigkeit könnten die bevölkerungsbezogenen Richtlinien zur Brustkrebsvorsorge das individuelle Risiko unterschätzen, sodass eine frühere oder häufigere mammografische Überwachung angebracht sein könnte.