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Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Jeder zweite Todesfall ist ernährungsbedingt

Sich ungesund zu ernähren, hat handfeste Folgen: Einer aktuellen Metaanalyse zufolge ließe sich fast jeder zweite Herz-Kreislauf-bedingte Todesfall in Europa mit einer besseren Nahrungsauswahl vermeiden. Hauptrisikofaktor ist der zu geringe Verzehr von Vollkornprodukten.
Annette Mende
14.01.2019
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Grundlage der im »European Journal of Epidemiology« erschienenen Arbeit bildet die Global Burden of Disease Study, eine weltweite Beobachtungsstudie, in der repräsentativ Daten zur Krankheitslast in 195 Ländern erhoben werden. Die Autoren um Dr. Toni Meier von der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg werteten Daten aus der WHO-Region Europa aus, die neben den Ländern Europas auch vorder- und zentralasiatische Staaten wie Aserbaidschan, Israel, die Türkei und Usbekistan umfasst.

Die Forscher definierten zwölf Diät-abhängige Risikofaktoren, für die mit guter wissenschaftlicher Evidenz ein Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegt ist, zum Beispiel einen zu geringen Verzehr von Ballaststoffen, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen oder Vollkornprodukten beziehungsweise einen zu hohen Konsum von zuckerhaltigen Getränken, Kochsalz oder Transfetten. Anhand des Lebensmittelkonsums der jeweiligen Staaten berechneten sie dann, welchen Anteil die Ernährung an den Herz-Kreislauf-bedingten Todesfällen des jeweiligen Landes im Jahr 2016 gehabt hatte. Die Effekte anderer Risikofaktoren, zum Beispiel Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel und Rauchen, wurden herausgerechnet.

Der Studie zufolge waren im Jahr 2016 von insgesamt 4,3 Millionen kardiovaskulären Todesfällen 2,1 Millionen (49,2 Prozent) ernährungsbedingt. Der Anteil an der Gesamtsterblichkeit betrug 22,4 Prozent. In Deutschland waren es knapp 165.000 Todesfälle, die 46 Prozent der kardiovaskulären beziehungsweise 17,9 Prozent der Gesamtmortaliät ausmachten. Als Hauptrisikofaktor war in der Studie der Verzehr von zu wenig Vollkornprodukten für 429.000 Todesfälle verantwortlich, gefolgt von einer Diät ohne ausreichend Nüsse und Samen (341.000 Todesfälle), zu wenig Obst (262.000 Todesfälle), zu viel Kochsalz (251.000 Todesfälle) und zu wenig Omega-3-Fettsäuren (227.000 Todesfälle).

Studienleiter Meier weist in einer Mitteilung der Universität auf deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern hin. So sei etwa in Israel und Spanien nicht jeder zweite, sondern nur jeder dritte vorzeitige kardiovaskuläre Todesfall ernährungsbedingt gewesen. In Norwegen und Schweden stand weniger der Verzehr von Weißmehl- statt Vollkornprodukten im Vordergrund als vielmehr der zu geringe Konsum von Nüssen und Samen. Große Unterschiede fand das Team auch in Bezug auf Alter und Geschlecht: Männer waren tendenziell bereits in jüngeren Jahren betroffen, Frauen dagegen erst ab dem 50. Lebensjahr.

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