Pharmazeutische Zeitung online
Coronavirus-Ausbreitung

Jeder muss sich an Eindämmung beteiligen

Die Coronavirus-Verbreitung ist inzwischen offiziell eine Pandemie. An der Eindämmung des Erregers sollten alle Menschen mitwirken, fordert das RKI und ruft junge Menschen zur Solidarität auf.
Christina Hohmann-Jeddi
12.03.2020  14:10 Uhr

»Die Weltgesundheitsorganisation hat gestern die Pandemie erklärt«, sagte Professor Dr. Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin, beim täglichen Pressebriefing. Als Gründe nannte der WHO-Generaldirektor den starken Anstieg der Fälle außerhalb Chinas. Das Virus habe sich inzwischen in 115 Länder ausgebreitet, fast 4300 Menschen sind gestorben. Damit habe die WHO ein klares Signal gesetzt, sagte Schaade. Praktische Auswirkungen etwa auf die Einschätzung der Lage oder die empfohlenen Maßnahmen habe diese neue Einstufung aber nicht. »Es ist kein Grund, jetzt mehr Sorgen oder Ängste zu haben, aber es ist ein Grund, die Situation weiter wie bisher ernst zu nehmen.« Alle Menschen und alle Lebensbereiche seien gefordert, an der Eindämmung des Erregers mitzuarbeiten, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu verringern.

In diesem Zusammenhang rief Schaade auch junge Menschen zu Solidarität und Selbstschutz auf. Im Moment sei von einigen aus dieser Gruppe zu hören, dass sie sich von Covid-19 nicht betroffen sähen und die Erkrankung für sich als harmlos einstuften, sagte der RKI-Vizepräsident. Zwar seien tatsächlich Ältere und Menschen mit Grunderkrankungen besonders gefährdet. »Aber auch wenn es selten vorkommt: Auch bei jüngeren und gesunden Menschen kann es schwere Verläufe geben, darunter sogar Todesfälle«, betonte Schaade. Das zeigten Erfahrungen aus anderen Ländern.

Alle müssten deshalb die Situation ernst nehmen und sich selbst und andere schützen. »Die Jüngeren sollten sich natürlich bitte auch solidarisch mit den Älteren zeigen, die ein höheres Risiko haben«, so Schaade. Den Anstieg der Meldezahlen hierzulande bezeichnete er als »recht schnell«, wie auch in anderen Ländern. Mit einer Verdoppelung der Fallzahl ist in etwa alle sieben Tage zu rechnen. Ziel der Maßnahmen sei, die Zahlen zu drücken. Man werde anhand der Entwicklung in den nächsten Tagen und Wochen sehen, ob die lokalen Behörden damit erfolgreich sind oder nachsteuern müssten. In Deutschland wurden bislang 1567 laborbestätigte Infektionen gemeldet, hauptsächlich aus Nordrhein-Westfalen. Dort kam es auch zu drei Todesfällen.

Erstmals SARS-CoV-2-Nachweis ohne Verdacht

Offenbar verbreitet sich das Virus zu einem Teil auch unerkannt in Deutschland. Darauf lässt der Befund schließen, dass erstmals eine SARS-CoV-2-Infektion im allgemeinen Screening nach Erregern entdeckt wurde. Die AG Influenza am RKI überwacht seit vielen Jahren routinemäßig die Verteilung von Erregern von Atemwegsinfekten in der Bevölkerung mithilfe eines Netzes aus ausgewählten Arztpraxen, die dem RKI Proben von entsprechenden Patienten zusenden, berichtete Schaade. Die Proben werden auf Pathogene wie Influenza-, Rhino- oder RS-Viren getestet – seit dem 24. Februar auch auf SARS-CoV-2. In der zehnten Kalenderwoche sei nun erstmals eine der 250 untersuchten Proben positiv auf das Coronavirus ausgefallen, sagte Schaade. 42 Prozent der 152 Proben mit respiratorischen Viren wurden positiv auf Influenza getestet. Auch diese Infektion müsse man weiter im Blick behalten. Die Ergebnisse sind im aktuellen Wochenbericht der AG Influenza enthalten. 

Was bedeutet dies? Der Nachweis von SARS-CoV-2 verdeutlicht laut Schaade gut die momentane Situation in Deutschland: Die meisten Infektionen lassen sich auf Kontakte bekannten Infektionsketten zuordnen oder auf Reisen in Risikogebiete zurückführen. Darüber hinaus habe es aber einige unentdeckte Infektionen gegeben. Die Gesundheitsämter arbeiteten weiterhin daran, diese Infektionen aufzuspüren, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Erregers zu verlangsamen. »Das ist weiterhin die wichtigste Maßnahme.«

 

Mehr von Avoxa