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Dysbiosen und Allergien
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Ist die Darmbarriere noch ganz dicht?

Eine pflanzenbasierte, ballaststoffreiche Ernährung ist wesentlich dafür verantwortlich, dass die Darmschleimhaut gut gedeiht, integer bleibt und nicht entzündlich durchlässig für Pathogene wird. Was Allergien mit Dysbiosen des Mikrobioms zu tun haben, erklärt Dr. Michaela Axt-Gadermann, Professorin für Gesundheitsförderung.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 06.03.2026  18:00 Uhr

Probiotika zur Therapie

Die Gabe von Probiotika scheint auch ein vielversprechender Ansatz in der Therapie von Pollenallergikern zu sein. So zeichnete etwa die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) an der Charité das Präparat Pollagen® – ein Nahrungsergänzungsmittel, das Lacto- und Bifidobakterien sowie präbiotische Fructo-Oligosaccharide enthält – mit dem ECARF-Qualitätssiegel für Allergikerfreundlichkeit aus.

»Nach unseren Untersuchungen ist es möglich, durch die perorale Zufuhr lebender Bakterien die Symptomatik bei Gräserpollen-Allergikern zu beeinflussen – und zwar positiver als noch vor ein paar Jahrzehnten gedacht«, informierte Professor Dr. Karl-Christian Bergmann in seiner Funktion als klinischer Studienleiter der ECARF-Stiftung bei der jüngsten Pressekonferenz. Die Symptomlinderung gelinge besser, wenn das Probiotikum einerseits rechtzeitig vor der Allergenbelastung und andererseits längerfristig eingenommen werde.

»Die Erkenntnis, dass Allergiker häufig ein Defizit an Mikronährstoffen aufweisen – vorrangig einen funktionellen Eisenmangel innerhalb der Immunzellen –, und das Wissen um den sogenannten Bauernhofeffekt haben zu eigenen Arbeiten mit Blick auf die Entwicklung einer Lutschtablette geführt«, berichtete der Allergologe.

Das Nahrungsergänzungsmittel Immunobon® enthält Beta-Lactoglobulin aus der Molke von Rohmilch, kombiniert mit den Mikronährstoffen Eisen, Zink und Vitamin A. »Die Lutschtablette zeigte bereits in der Vergangenheit in zwar kleinen, aber doppelblinden placebokontrollierten Studien sowohl bei Pollenallergie als auch bei Untersuchungen in unserer Allergen-Expositionskammer bei einer Hausstaubmilbenallergie eine deutliche Symptomlinderung. Aktuell können wir die Ergebnisse bei Patienten mit Katzenhaarallergie bestätigen. Nach dreimonatiger Einnahme des Beta-Lactoglobulins reduzierten sich die Symptome bei Allergenprovokation um 40 Prozent«, sagte Bergmann.

Gute Bedingungen schaffen

Laut Mikrobiomspezialistin Axt-Gadermann ist eine möglichst diverse, breit aufgestellte mikrobielle Lebensgemeinschaft im Darm ein entscheidender Gesundheitsfaktor. Und die lässt sich mit einer pflanzenbasierten, ballaststoffreichen und abwechslungsreichen Kost schaffen. »Grund für den gesundheitlichen Benefit durch ballaststoffreiche Ernährung sind darin enthaltene, unverdauliche Kohlenhydrate. Also Präbiotika, die einigen Bakterien als wichtigste Nahrungsquelle dienen – wobei kurzkettige Fettsäuren entstehen; Acetat, Butyrat und Propionat gelten als die wichtigsten«, führt die Ernährungsmedizinerin aus. Sie seien wesentlich dafür verantwortlich, dass die Darmschleimhaut gut gedeiht, dass sie integer bleibt und nicht entzündlich durchlässig für Pathogene wird sowie darunterliegende Immunzellen so erzogen werden, dass sie regulatorische T-Zellen bilden – Hauptverantwortliche für immunologische Toleranz.

»Es gibt immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere Folgen für die Gesundheit haben kann. Die Beschwerden sind vielfältiger Natur. Aber fast immer liegen ihnen Entzündungen und Störungen des Immunsystems zugrunde, verursacht durch den Übertritt von Bakterienbestandteilen oder anderen Substanzen aus dem Darm in die Schleimhaut oder gar den Blutkreislauf. Stoffwechselstörungen wie Übergewicht, Diabetes, Allergien oder Autoimmunerkrankungen, aber auch Depressionen und Fatigue sind mit dem Leaky-Gut-Syndrom, also dem ›löchrigen Darm‹, assoziiert.«

Für die Integrität der Darmschleimhaut spielen die Tight Junctions eine große Rolle – Strukturproteine, die die Darmepithelzellen quasi abdichten, indem sie wie Druckknöpfe funktionieren, erklärte Axt-Gadermann. »Die Tight Junctions sind die eigentliche Grenze zwischen dem Darminhalt und unserem Körperinneren. Hier wird entschieden, was in den Organismus aufgenommen wird oder nicht.«

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