Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere kann gesundheitliche Folgen haben. So kann die Neigung zu Allergien durch Dysbiosen befeuert werden. / © Adobe Stock/Alex
Inzwischen gilt als gut belegt, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms das Erkrankungsrisiko für eine allergische Rhinokonjunktivitis, ein allergisches Asthma oder eine atopische Dermatitis mitbestimmt. Studien zeigen, dass sich die Stuhlanalysen von Allergie-belasteten Kindern deutlich von jenen unterscheiden, bei denen es keine Anzeichen auf jegliche Art von allergischem Geschehen gibt.
»Die späteren Allergiekinder hatten bereits im Säuglingsalter zu wenig Lactobazillen und Bifidobakterien in sich und vor allem zu wenige Ballaststoff-abbauende Bakterien wie Faecalibacterium prausnitzii oder Akkermansia muciniphila. Ebenso fanden sich in den Stuhlproben der Kinder mit Asthma bedeutend weniger kurzkettige Fettsäuren wie Propionat oder Butyrat, die eine entzündliche Kaskade aufhalten können. Dafür trugen sie jedoch auffällig viele Staphylokokken oder Clostridioides in sich«, sagte die Ernährungswissenschaftlerin und Dermatologin von der Hochschule Coburg im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung.
Probiotische Hautpflege gewinnt in der Behandlung von Neurodermitis an Bedeutung. / © Getty Images/Tijana Simic
Eine ähnliche Situation zeige sich auf der Haut, so Axt-Gadermann. Dort sei es vor allem Staphylococcus aureus, der das Neurodermitisrisiko steigen lässt, erzählt Axt-Gadermann. So ist die Haut von Patienten mit atopischem Ekzem von einer drastischen Abnahme der Bakterienvielfalt gekennzeichnet, S. aureus dominiert und verdrängt andere Arten. »Abstriche zeigen: Sobald die Menge der Staphylokokken einen bestimmten Wert überschreitet, kommt es zu den ersten Ekzemen. Und die Menge von S. aureus korreliert mit dem Schweregrad der Krankheit«, schilderte die Dermatologin.
»Was den eigentlichen Auslöser von entzündlichen Hauterkrankungen betrifft, führten wir lange Zeit eine Art Henne-Ei-Diskussion. Sind die veränderten Keimspektren Folge der veränderten immunologischen Hautbedingungen oder sind sie ursächlich? Neuere Studien belegen nun jedoch, dass Dysbiosen des Darms und der Haut atopischen Erkrankungen vorausgehen und damit als Urheber gelten können. Die Vermehrung von S. aureus ist also nicht sekundär die Folge der entzündlichen Bedingungen auf der Haut, sondern Grund der Symptome.«
Wie lässt sich das Hautmikrobiom von Patienten mit atopischer Dermatitis wieder ins Lot bringen? Die Mikrobiomspezialistin entwickelte zusammen mit Professor Dr. Matthias Noll topische Probiotika. Sowohl das Bad als auch die Salbe enthalten den Bakterienkomplex Baplexin 621 (Omnibiotic® Skin), bestehend aus neun probiotischen Bakterienstämmen. Die Pulvermischung, die für ein Teilbad gedacht ist, wird in Wasser eingerührt und damit aktiviert. »Durch die Bäder ließ sich in placebokontrollierten Studien die Konzentration von S. aureus innerhalb von 14 Tagen ohne weitere Therapien um 84 Prozent zurückdrängen und gleichzeitig die Vielfalt des Mikrobioms erhöhen. Der Schweregrad der Neurodermitis besserte sich deutlich sichtbar, und zwar umso effektiver, desto stärker der Ausgangsbefund. Entzündungsparameter nahmen ab, genauso wie Juckreiz und Trockenheitsgefühl.« Der Bakterienkomplex ist auch in Form einer Fettsalbe verfügbar, die ähnlich gute Ergebnisse zeigt.