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Hefe beugt Antibiotika-bedingtem Durchfall vor

24.06.2002
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PHARMAZIE

Hefe beugt Antibiotika-bedingtem Durchfall vor

von Elke Wolf, Frankfurt am Main

Rund ein Fünftel aller Patienten, die Antibiotika einnehmen, entwickeln eine Diarrhö. Die medizinische Hefe Saccharomyces boulardii kann helfen, dem Darmdilemma zuvorzukommen.

Grundsätzlich können alle Antibiotika Durchfall auslösen. Bei Cephalosporinen, Clindamycin und Aminopenicillinen ist die Durchfallwahrscheinlichkeit sehr hoch, etwas geringer fällt das Risiko bei Makroliden und Chinolonen aus, noch geringer bei Tetracyclinen, Penicillin und Cotrimoxazol, informierte Professor Dr. Bernhard Lembcke, Chefarzt des St. Barbara Hospitals in Gladbeck, auf einem Symposium zur Diarrhö-Prophylaxe.

Häufigste Form von Antibiotika-induzierten Durchfällen ist im ambulanten Bereich wie in der Klinik die osmotische Diarrhö. Da die antimikrobiellen Wirkstoffe neben den krankheitsauslösenden auch die für den Körper wichtigen Bakterien töten, gerät das Gleichgewicht der Darmflora ins Wanken. Im Darm werden beispielsweise Kohlenhydrate aus der Nahrung von den Bakterien der Darmflora abgebaut. Fehlen nun die bakteriellen Winzlinge, ziehen die unverdauten Kohlenhydrate Wasser aus dem umliegenden Gewebe in den Darm. Durchfall ist die Folge. Das alte Hausrezept "Tee und Zwieback" kann oft schon helfen, da es die Kohlenhydratzufuhr drosselt.

Aber Antibiotika können auch auf anderem Wege dafür sorgen, dass das stille Örtchen zum Daueraufenthaltsort wird. Das Ungleichgewicht in der Darmflora begünstigt das Wachstum des Bakteriums Clostridium difficile, das bei einigen Menschen die Darmschleimhaut in geringen Mengen besiedelt. Sondert dieses Bakterium die Toxine A und B ab, entzündet sich das Kolon; eine so genannte pseudomembranöse Colitis (PMC) entsteht. In einer gesunden Darmflora wird C. difficile von den anderen Bakterien in Schach gehalten. Lembcke: "Die PMC trifft meistens alte, multimorbide Patienten, für die der Durchfall unter Umständen eine gefährliche, sogar letale Wendung im Krankheitsverlauf haben kann." Bei rund 15 bis 25 Prozent der Antibiotika-induzierten Durchfälle ist C. difficile der Übeltäter.

Damit der Schuss nach Antibiotika-Einnahme nicht nach hinten losgeht, kann man mit Probiotika wie Saccharomyces-boulardii-Präparaten (zum Beispiel Perenterol®) vorbeugen. Doch Lembcke schränkte ein: Zwar haben mehrere klinische Studien der medizinischen Hefe gute Wirksamkeit bescheinigt, doch hält der Experte die primäre Gabe für alle Patienten unter Antibiotika-Therapie für nicht gerechtfertigt. "Dafür erscheint die Häufigkeit der Antibiotika-assoziierten Diarrhö für zu gering." Hat der Patient dagegen bereits bei einer früheren Antibiotika-Therapie mit Durchfall reagiert, sei die prophylaktische Gabe von S. boulardii indiziert. Nur bei älteren, multimorbiden Patienten empfehle es sich, auch bei erstmaliger Breitspektrumantibiotika-Therapie vorbeugend S. boulardii zu geben, um einer durch C. difficile ausgelösten Diarrhö entgegenzuwirken.

Lembckes Tipp für Apotheker: Wer einem Kunden ein Antibiotikum abgibt, sollte darauf hinweisen, dass Durchfall eine häufige Nebenwirkung sein kann. Falls der Kunde diese Beschwerden bereits von einer vorhergehenden Antibiotika-Therapie kennt, kann der Apotheker die Prophylaxe mit einem S.-boulardii-Präparat empfehlen. Top

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