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Minoxidil jetzt auch für Frauen zugelassen

15.03.2004
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Minoxidil jetzt auch für Frauen zugelassen

von Christiane Berg, Hamburg

Unter dem Namen Regaine® steht seit Anfang März das bislang nur für Männer zugelassene Minoxidil auch für Frauen zur topischen Therapie der androgenetischen Alopezie zur Verfügung. Die ursprünglich als Antihypertensivum entwickelte Substanz wurde in mehreren Studien auf Wirksamkeit und Sicherheit bei Frauen untersucht.

Die häufigste Form des Haarausfalls, von der 30 Prozent aller Frauen betroffen sind, könne bei regelmäßiger Anwendung des verschreibungspflichtigen, jedoch nicht erstattungsfähigen Präparates in 80 Prozent der Fälle gestoppt werden, sagte Professor Dr. Ulrike Blume-Peytavi, Berlin, auf einer Veranstaltung von Pfizer Consumer Healthcare. Das Terminalhaarwachstum werde gefördert sowie die Dauer der Wachstumsphase verlängert. So nehme die Mittescheitelbreite ab, hingegen Follikelgröße, Haarschaftdurchmesser, Haargewicht, Haarzahl und Kopfhautbedeckung zu.

Eindeutiger Wirknachweis

Die Dermatologin verwies auf eindeutige Wirknachweise durch kontrollierte klinische Studien. Der Wirkmechanismus des Vasodilatators und Kalium-Ionen-Kanal-Öffners, der in 5-prozentiger Lösung zur Behandlung der androgenetischen Alopezie des Mannes bereits seit längerem zugelassen ist, sei letztlich nicht vollständig charakterisiert. Doch könne festgehalten werden, dass die mit dem Krankheitsbild einhergehende Rückbildung des kapillaren Blutsystems gestoppt, das Kapillarnetz sogar wieder erweitert wird. Blume-Peytavi betonte, dass auf Grund der topischen Applikation des Wirkstoffes mit einer systemischen Wirkung, also Senkung des Blutdrucks, nicht zu rechnen ist.

Die androgenetische Alopezie der Frau als genetisch bedingte gesteigerte Empfindlichkeit der Haarfollikel auf männliche Sexualhormone bereits bei normalen Androgenspiegeln kann nicht nur mit einer mangelnden Gefäßversorgung, sondern auch mit Seborrhö und Mikroentzündungen der Kopfhaut sowie Mykose und Fibrose einhergehen. Zur kurzfristigen symptomatischen Therapie dieser Entzündungen kämen Corticosteroide, zur Behandlung von Mykose und Fibrose sowie antimikrobielle Wirkstoffe wie Ketoconazol-haltige Shampoos und antifibrotische Substanzen wie Aminexil zum Einsatz. Zu den vasodilatatorisch wirkenden Substanzen, deren Wirksamkeit laut Blume-Peytvai nicht eindeutig nachgewiesen ist, zählte die Referentin Nicotinsäureamidester sowie den Gefäßwachstumsfaktor RTH 16.

Systemische Therapie

Die Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Berlin führte aus, dass zur lokalen Behandlung des Weiteren gegebenenfalls Estrogene wie 17a-Estradiol 0,15-prozentig oder Estradiolbenzoat 0,15-prozentig in Frage kommen. Bei nachgewiesener Androgenüberproduktion der Frau könne die perorale Gabe von Progestagenen wie Cyproteronacetat und Chlormadinonacetat beziehungsweise von Kontrazeptiva mit antiandrogener Wirkung (zum Beispiel Diane®, Lafemme®, Climen®, Neo-Eunomin®, Valette®, Belara®) angezeigt sein, während zur systemischen Therapie der androgenen Alopezie beim Mann 5a-Reduktase-Hemmer (Finasterid) zur Verfügung stehen.

Neben einer Perücke oder dem Ersatz durch Haarteile werde im Einzelfall beim Versagen der medikamentösen Therapie die Haartransplantation in Erwägung gezogen, die jedoch nur bei begrenztem Haarausfall und dem Vorhandensein von Haarfollikeln in Arealen am Hinterkopf möglich ist. Erforderlich sei ein stabiler Befund ohne weiteres Fortschreiten des Haarausfalls. Die Transplantation sei sehr kostenaufwendig und müsse mit der sorgfältigen Auswahl eines geübten Chirurgen einhergehen, wobei die Ergebnisse der Maßnahme variieren. Blume-Peytavi hob den frühen Beginn der lokalen oder systemischen medikamentösen Therapie als Schlüssel zur Verhinderung weiteren Haarausfalls und Reduktion psychologischer Folgen hervor.

Lichtung besonders am Scheitel

Die Bedeutung der Differenzialdiagnose zum Ausschluss von Grunderkrankungen wie Lupus erythematosus, Schildrüsenüberfunktion oder polyzystischer Ovarien unterstrich Professor Dr. Peter Hoffmann, Freiburg im Breisgau. Ursache des Haarausfalls bei Frauen könne auch die Einnahme von Arzneistoffen wie Phenprocoumon, Heparin oder Retinoiden sowie eine Malariaprophylaxe, Diät oder Schwangerschaft sein.

Minoxidil wurde ursprünglich als Antihypertensivum entwickelt, dass den Blutdruck durch direkten Angriff an der glatten Gefäßmuskulatur senkt. Die Hypertrichose (griechisch: zu viele Haare) fiel als Nebenwirkung auf. Aus diesem zunächst unerwünschten Effekt erschloss sich das neue Indikationsgebiet androgenetische Alopezie zunächst beim Mann und nun auch bei Frauen. Die androgenetische Alopezie ist beim weiblichen Geschlecht anders ausgeprägt als beim männlichen. In der Regel sind nicht alle, sondern nur einige Haarfollikel einer Kopfhautregion betroffen. Große gänzlich kahle Areale sind daher seltener. Stattdessen kommt es zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten diffusen Ausdünnung der Haare und Lichtung besonders am Scheitel. Top

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