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Curry als natürlicher COX-2-Hemmer

PHARMAZIE

 
Curry als natürlicher COX-2-Hemmer

Von Wilfried Dubbels

 

In Pilotstudien hemmte Curcumin bei Alzheimer-Patienten die Ablagerung von Amyloid-Plaques; bei Patienten mit einer Vorstufe des Darmkrebses reduzierte der Inhaltsstoff von Curcuma longa das Wachstum der Polypen. Forscher vermuten, dass die vielfältigen Wirkungen auf einer Hemmung der Cyclooxygenase-2 beruhen.

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Das Lange Gelbwurzrhizom (Rhizoma Curcumae longae) ist der getrocknete Wurzelstock von Curcuma longa. Wesentlicher Bestandteil des Kurkuma-Extrakts aus dem getrockneten Wurzelstock ist Curcumin (Diferuloylmethan). Weitere Bestandteile sind Demethoxycurcumin (Hydroxycinnamoylferuloylmethan) und Bisdemethoxycurcumin (Dihydroxydicinnamoylmethan). Sie alle werden unter dem Sammelbegriff Curcuminoide zusammengefasst. Daneben enthält der getrocknete Wurzelstock ätherisches Öl, das vor allem aus den Sesquiterpenketonen Turmeron sowie Zingiberenen besteht.

 

Kurkuma wird in Indien, China und anderen asiatischen Ländern angebaut. Der Extrakt wird in der chinesischen Medizin und westlichen Welt als Cholagogum bei Leber- und Gallenleiden eingesetzt. Die Droge dient auch als Stomachicum und ist ein viel verwendetes Gewürz. In der ayurvedischen Medizin wird Curcumin seit Jahrhunderten als Mittel gegen Entzündungen verwendet. Wissenschaftler in Singapur haben nun herausgefunden, dass das gelbe Pulver darüber hinaus die Gedächtnisleistung deutlich steigern und die Ablagerung von Amyloid-Plaques bei Alzheimer hemmen kann (1). Forscher von der John-Hopkins-Universität berichten im Fachmagazin »Clinical Gastroenterology and Hepatology«, dass Inhaltsstoffe aus Kurkuma in einer Pilotstudie sowohl Anzahl als auch Größe von Darmpolypen reduzierten (3). In Tierversuchen mit Mäusen konnte bereits eine Metastasen hemmende Wirkung bei Brustkrebs festgestellt werden. In weiteren Studien konnte gezeigt werden, dass Curcumin als natürliches und relativ starkes Antioxidans unter anderem die Cyclooxygenase-2 (COX-2) hemmt (4). Vermutlich sind die vielfältigen Wirkungen auf diesen Mechanismus zurückzuführen.

 

Curcumin kann durch Abfangen reaktiver Sauerstoffmediate  die Aktivierung des Transskriptionsfaktors NF-κB unterdrücken, so die Hypothese. Transskriptionsfaktoren nehmen im Entzündungsgeschehen eine Schlüsselstellung ein, da sie die Transskription der Gene für die verschiedenen Entzündungsmediatoren regulieren. So wird auch die Expression der COX-2 von NF-κB kontrolliert. Diese katalysiert die Bildung von Prostaglandinen, die unter anderem die Blutgefäße erweitern (5). Durch die erhöhte Durchblutung werden vermehrt Lymphozyten, Granulozyten, Monozyten und Makrophagen gebildet. Zusätzlich verstärkt die vermehrte Bildung von reaktiven Sauerstoffderivaten die Entzündungsreaktion im Sinne einer positiven Rückkopplung auf die Aktivierung des Transskriptionsfaktors. Durch Unterdrückung der Aktivität des Transskriptionsfaktors NF-κB wird das Entzündungsgeschehen eingedämmt, da die Expression der COX-2 von NF-kB kontrolliert wird. Ob Curcumin die Transskriptionsfaktor NF-κB Aktivierung ausschließlich aufgrund seiner antioxidativen Eigenschaften oder auch durch Hemmung von Proteinkinasen unterdrückt, ist noch nicht abschließend geklärt (4).

 

Studien sprechen dafür, dass die Bioverfügbarkeit von Curcumin durch den Gesamtextrakt der Gelbwurzel deutlich erhöht wird (2) und dass Piperin, ein Inhaltsstoff des schwarzen Pfeffers, die Resorption beschleunigt. Somit könnte Curry, eine indische Gewürzmischung, die unter anderem Kurkuma und schwarzen Pfeffer enthält, potenziell eine Alternative zu den synthetischen COX-2-Hemmern werden. Ob die COX-2-Hemmung allerdings ausreicht, um klinisch relevante Ergebnisse zu erzielen, müssten weitere Studien klären.


Literatur

  1. New Scientist 2563,18 (2006)
  2. Ammon, H. P., Pharmacology of Curcuma longa. Planta Med. 57(1991) 1-7.
  3. Curcuma gegen Darmpolypen, Pharmazeut. Ztg. 151, 2958(2006)
  4. Singh, S., Aggarwal,B.B., Activation of transcription factor NF-κB is suppressed by curcumin. J. Biol. Chem. 270 (1995) 24995-25000.
  5. Rüngeler P., G. Lyß , I. Merfort: Zentraler Mediator im Immunsystem und bei Entzündungen, Transkriptionsfakor NF-κB, Pharmazeutische Ztg. 144, Ausgabe 2 (1999)

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Beitrag erschienen in Ausgabe 42/2006

 

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