| Paulina Kamm |
| 13.05.2026 14:30 Uhr |
Eine IGES-Studie bestätigt, was für viele auf der Hand liegt: Zusätzliche Impfangebote wie in Apotheken können dazu beitragen, mehr Menschen zu erreichen und die Versorgung zu verbessern. / © Imago/Kerstin Kokoska
Im Rahmen der Studie verglichen die Forschenden Deutschland mit Ländern, die in der Vergangenheit bereits Impfbefugnisse für Apotheken erteilt hatten: Frankreich, Irland und die Schweiz. Insbesondere die Grippeschutzimpfquote von Über-65-Jährigen habe laut der Studie eine gute Datenbasis. Eingeflossen in die IGES-Analyse sind Daten der OECD, WHO und Eurostat.
Die Quote der Menschen ab 65 Jahren eigne sich grundsätzlich als Vergleich, da die Impfung dieser Gruppe in allen Ländern die erste war, die in Apotheken zugelassen wurde. Im EU-Durchschnitt lag die Quote für die Influenza-Impfung bei den Über-65-Jährigen bei 47,1 Prozent; in Deutschland jedoch nur bei 40 Prozent.
Impfbefugnisse von Apothekerinnen und Apothekern in Irland wurden über die Jahre sukzessive erteilt: »Bereits seit 2011 sind sie gesetzlich befugt, die saisonale Grippeschutzimpfung anzubieten, seit 2015 auch Impfungen gegen Pneumokokken und Herpes zoster«, heißt es in der Pressemitteilung von Viatris. Seit 2020 seien sogar Impfungen außerhalb der Apotheke erlaubt, dennoch finden 27 Prozent aller Impfungen in Irland in Apotheken statt. Die Quote der Grippeschutzimpfung bei Über-65-Jährigen lag in Irland im Jahr 2023 laut Eurostat bei 75,7 Prozent, also weit über dem EU-Durchschnitt.
In Frankreich ist die Grippeschutzimpfung in Apotheken flächendeckend seit 2019 erlaubt. 2020 folgte die Impfung gegen Covid-19, ab 2021 durften Apothekerinnen und Apotheker auch außerhalb der Apotheke gegen Covid-19 immunisieren. 2022 folgten vierzehn weitere Impfstoffe, seit 2023 sogar ohne ärztliche Verordnung. Im Jahr 2023 habe auch in Frankreich die Grippeschutzimpfquote bei den Über-65-Jährigen mit 56,2 Prozent über dem EU-Mittel gelegen.
Die Impfbefugnisse in der Schweiz unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. »2015 wurde die Grippeschutzimpfung in Apotheken im Kanton Zürich versuchsweise eingeführt, 2016 erfolgte eine Erweiterung auf zusätzliche Kantone und eine Vielzahl von Impfstoffen«, erläutert Viatris. Mittlerweile sei das Impfen in Apotheken in etwa zwei Dritteln aller Kantone erlaubt.
Die schweizerische Grippeschutzimpfquote lag im Jahr 2022 mit 37,5 Prozent unter dem EU-Durchschnitt und unter der Impfquote in Deutschland. »Impfungen in Apotheken anzubieten, kann dazu beitragen, die Impfquote zu erhöhen. Doch wie das Beispiel der Schweiz deutlich zeigt, ist dies nicht der einzige Faktor«, erklärte Tilo Mandry, Lead International Liaison Manager am IGES-Institut in Berlin.
Obwohl das Impfen gegen Grippe und Covid-19 in deutschen Apotheken seit 2022 erlaubt ist, bieten laut der Studie bislang nur 8 Prozent der Apotheken besagte Dienstleistung an. »Mit nur 121.600 durchgeführten Grippeschutzimpfungen in der Saison 2024/2025 ist dies nicht einmal jede hundertste Impfung«, heißt es in der Pressemitteilung.
Der geringe Anteil an Apotheken, die in Deutschland Impfungen anbieten, hänge nicht mit Sicherheits- oder Ausbildungsstandards zusammen, sondern mit übergeordneten Rahmenbedingungen, die die Umsetzung beeinflussen, so Mandry. Es brauche mehr Impfangebote, eine aktive Umsetzung durch die Apotheken und Zeit für eine langristig Etablierung in vorhandene Versorgungsstrukturen.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.