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Rheuma bei Kindern
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Immunattacke auf die Gelenke

Bei Rheuma denkt man zunächst meist an ältere Menschen. Doch chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen treten in jedem Alter auf – sogar bei Säuglingen. In Deutschland sind etwa 15.000 Kinder und Jugendliche betroffen.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 09.04.2020  11:00 Uhr

Therapiestart mit NSAR und Corticoiden

In der Regel beginnt die Behandlung bei allen JIA-Formen zunächst mit der systemischen Gabe von NSAR, um die Symptome zu lindern. Teilweise werden initial auch Depot-Glucocorticoide – aufgrund der besseren Studienergebnisse bevorzugt Triamcinolonhexacetonid – intraartikulär injiziert. Je nach Alter des Kindes ist dazu mitunter eine Kurznarkose, Analgosedierung oder ­Lokalanästhesie notwendig. Bei einer Iridozyklitis kommen auch Glucocorticoid-haltige Augentropfen oder -cre­mes zum Einsatz.

Eine systemische Anwendung von Glucocorticoiden ist laut der geltenden Leitlinie nur kurzfristig und in Ausnahmefällen indiziert, beispielsweise bei einer schweren Uveitis oder einer hohen allgemeinen Krankheitsaktivität.

Bringen NSAR und lokale Therapiemaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, setzen Kinderrheumatologen frühzeitig konventionelle synthetische DMARD als Basistherapeutika ein. Bis diese eine spürbare Wirkung zeigen, vergehen mindestens vier Wochen, unter Umständen auch mehrere Mo­nate. Zur Überbrückung werden meist niedrig dosierte Glucocorticoide verschrieben.

Als Basismedikament der ersten Wahl gilt Methotrexat (MTX). Unerlässlich ist der Hinweis bei der Abgabe, dass MTX nie täglich, sondern einmal wöchentlich appliziert wird (meistens 10 bis 15 mg/m² KOF/Woche). Weil es teratogen wirkt, müssen Arzt und Apotheker jugendliche Patientinnen und deren Eltern auf die Notwendigkeit einer sicheren Kontrazeption hinweisen. Mögliche Nebenwirkungen sind Infektanfälligkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und ein Anstieg der Leberwerte. Um diesen vorzubeugen, empfehlen die Leitlinienautoren, einmal wöchentlich 24 bis 48 Stunden nach der MTX-Gabe 5 mg Folsäure zu supplementieren.

Eingeschränkt wird der Therapie­erfolg von MTX zudem durch Übelkeit und Ekelgefühle, die bei bis zu 50 Prozent der behandelten Kinder oft schon vor der Einnahme auftreten und die häufigste Ursache für einen Therapieabbruch sind.

Periphere Gelenkentzündungen bei der Enthesitis-assoziierten Arthritis sprechen darüber hinaus gut auf perorales Sulfasalazin an. Ciclosporin A, Azathioprin und Leflunomid werden gelegentlich angewendet, haben aber keine Zulassung für die JIA.

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