| Alexandra Amanatidou |
| 17.07.2026 16:00 Uhr |
Aufgrund hoher Verluste durch Investitionen von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen in Immobilienfonds fordern SPD und Linke eine umfassende Aufklärung und Konsequenzen für die Verantwortlichen. / © Adobe Stock/Stockfotos-MG
Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ haben mindestens 17 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen Beitragsgelder in riskante Verius-Immobilienfonds investiert. Die bestätigten Verluste addieren sich laut Medienberichten auf mehr als 170 Millionen Euro. Aus Kreisen der Finanzfirmen sei sogar von 28 Krankenkassen und KVen die Rede, die investiert haben sollen, sowie von Fehlinvestitionen von mehr als 500 Millionen Euro.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Christos Pantazis, hat die Nachricht mit »großer Verärgerung« zur Kenntnis genommen. »Beitragsgelder sind das Geld der Versicherten und Arbeitgeber. Wer damit umgeht, trägt eine besondere Verantwortung«, sagte er. Seine Fraktion erwarte eine umfassende Aufklärung der Vorgänge. Außerdem fordert der Politiker Konsequenzen: »Im Zuge der anstehenden Strukturreformen werden wir deshalb die Finanzaufsicht über die gesetzlichen Krankenkassen und die bestehenden Kontrollmechanismen insgesamt in den Blick nehmen.«
Der SPD-Politiker möchte Transparenz und Wirtschaftlichkeit weiter stärken und prüfen, ob die derzeitige Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen langfristig noch sachgerecht ist. Über die Zahl der Krankenkassen hat sich gestern Abend in der ZDF-Talkshow »Maybrit Illner« die Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geäußert. Pantazis will auch die Rolle der Kassenärztlichen Vereinigungen infrage stellen. Es müsse geprüft werden, ob dieser Auftrag in allen Bereichen und Regionen noch im erforderlichen Umfang erfüllt werde.
»Es ist unfassbar, dass Beitragsgelder bei den gesetzlichen Krankenkassen verzockt werden und am Ende nicht die Verantwortlichen, sondern die Versicherten die Rechnung zahlen müssen«, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Ates Gürpinar, laut einer Pressemitteilung. Es brauche jetzt schnell eine »lückenlose Aufklärung« und klare Konsequenzen für die Verursacher. Mit der PZ sprach der Linken-Politiker im Podcast über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der GKV-Finanzen.
Der Fall untergrabe das Vertrauen in die Krankenkassen und ihre Fähigkeit, mit Geld umzugehen, sagte die Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta (Grüne) gegenüber dem Rechercheteam.
Das Sozialgesetzbuch IV schreibt vor, dass solche Gelder nur sicher und risikoarm angelegt werden dürfen. Mehrere Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben die beteiligten Finanzfirmen verklagt. Sie behaupten, ihnen seien die Fonds als sichere Geldanlage verkauft worden. Unabhängige Finanzanalysten halten die Finanzinstrumente, in die die Krankenkassen und KVen Hunderte von Millionen Euro Beitragsgelder investierten, für »definitiv ungeeignet«, wie ARD und die »Süddeutsche Zeitung« berichten.