| Lukas Brockfeld |
| 19.08.2026 14:10 Uhr |
Iris Kampf, Hans-Jürgen Müller, Hans Peter Wollseifer und Frank Hippler (v. l. n. r.) stellten am Mittwoch die Ergebnisse der Umfrage vor. / © IKK e. V./Screenshot
Die Innungskrankenkassen nutzten die Vorstellung einer in Auftrag gebebenen Forsa-Umfrage dafür, ihre eigenen Forderungen an die Politik zu formulieren. Hans-Jürgen Müller, Vorstandsvorsitzender des IKK e. V., sprach sich einmal mehr für die staatliche Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus. »2024 haben die Krankenkassen knapp 58 Milliarden Euro im Jahr für Leistungen ausgegeben, die vollständig oder anteilig versicherungsfremd sind. Das ist eine Summe, über die man reden muss«, sagte Müller.
Der Bund zahle aktuell nur 14,5 Milliarden Euro als Ausgleich und wolle diese Zahlungen im Rahmen des Spargesetzes noch einmal um 2 Milliarden Euro senken. »Der Staat nimmt sich selbst aus der Verantwortung«, klagte Müller.
Die Kassenvertreter sprachen sich auch für eine bessere Patientensteuerung und mehr Prävention aus. Bei den neuen pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) – beispielsweise Tests auf Diabetes in Apotheken – waren sie jedoch skeptisch. »In der Vergangenheit gab es schon verschiedene pDL, und wir haben gemerkt, dass da relativ wenig passiert ist«, sagte Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK classic, auf Nachfrage der PZ. Außerdem warnte Hippler vor der Entstehung teurer Doppelstrukturen. »Für gewisse Themen kann das ergänzend funktionieren. Aber man muss genau hingucken. Am Ende bezahlen wir das sonst zweimal.«
Die Kassen bemängeln außerdem, dass die Pharmaindustrie zu wenig durch das GKV-Spargesetz belastet werde. »Forderungen nach Sonderbehandlungen – mit dem Hinweis auf drohende Investitionskürzungen – sind als Erpressungsversuch nicht akzeptabel«, sagte Hans Peter Wollseifer, ebenfalls Vorstandsvorsitzender des IKK e. V. »Wenn die Politik die Pharmaindustrie als Leitindustrie stärken möchte, dann mag das richtig sein, aber dann gehört das in die Wirtschaftsförderung mit Steuermitteln.«
Beim Blick auf die nahe Zukunft waren die IKK-Vorstandsvorsitzenden pessimistisch. »Die Beitragssätze sind für die kommenden zwei Jahre nicht abgesichert. Die Kosten wachsen enorm weiter. Allein bei den Krankenhäusern plus 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Hilfsmitteln sind es sogar 16 bis 17 Prozent«, warnte Hans Peter Wollseifer. Die kurzfristigen Maßnahmen des GKV-Spargesetzes könnten diesen Zuwachs wahrscheinlich schon im nächsten Jahr nicht mehr auffangen.
Welche Maßnahmen erwarten die Versicherten zur Stabilisierung der GKV-Finanzen? Die Innungskrankenkassen haben dazu eine Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben. Dafür wurden im Juli 2026 1031 gesetzlich Versicherte online befragt.