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Neugründung oder Übernahme
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»Ich wollte immer eine eigene Apotheke haben«

Das Apothekensterben setzt sich fort. Doch es gibt auch junge Menschen, die sich für eine Neugründung oder Übernahme entscheiden. Die PZ hat mit zwei Pharmazeuten gesprochen, die diesen Schritt gewagt haben.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 16.04.2026  09:00 Uhr

Der Apothekenstand ist so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Laut der ABDA gab es Anfang des Jahres 16.601 Apotheken. Dieser Wert dürfte inzwischen weiter gesunken sein, wie die aktuellen Daten des ersten Quartals beispielsweise in Nordrhein zeigen. Es gibt jedoch auch einige Apothekenübernahmen und sogar Neugründungen.

Theresa Fulst (32) und Constantin Böhland (38) sind Ende 2024 Inhaber einer Apotheke geworden. Für Fulst bedeutete dies eine Neugründung in der niedersächsischen Kleinstadt Bad Harzburg, für Böhland eine Übernahme im Stadtzentrum von Hamburg. Bis heute haben beide diesen Schritt nicht bereut. Gegenüber der PZ erzählen sie, wie es dazu kam und welchen Rat sie anderen Apothekerinnen und Apothekern geben würden, die einen ähnlichen Schritt planen.

Fulst: »Mir macht es total Spaß, jeden Tag zur Arbeit zu gehen«

Eine Neugründung stand bei Theresa Fulst eigentlich gar nicht auf dem Zettel. »Für mich stand die Selbstständigkeit im Vordergrund. Ich wollte immer eine eigene Apotheke haben«, sagt sie am Telefon gegenüber der PZ. Sie hat sich mehrere zur Übernahme stehende Apotheken angeschaut. »Ich wollte, wenn ich eine Apotheke habe, das auch modern umsetzen. Bei den Apotheken, die zur Übernahme standen, hatte ich jedoch immer das Gefühl, dass ich das hier nicht umsetzen kann.«

Die »Fritz König Apotheke« in Bad Harzburg wurde am 6. Dezember 2024 eröffnet. Die Umbaumaßnahmen haben anderthalb Jahre gedauert. Das Gebäude ist ein Altbau aus dem Jahr 1908, der als ehemaliges Krankenhaus unter Denkmalschutz steht. Zudem musste erst einmal Barrierefreiheit gewährleistet werden. »Die Apotheke hat noch den Charme der alten Räumlichkeiten«, sagt Fulst. Sie hat ihre Entscheidung nicht bereut. »Mir macht es total Spaß, jeden Tag zur Arbeit zu gehen.«

Ihre Apotheke bietet Darmfachberatung und Blutuntersuchungen an. »Dienstleistungen werden immer wichtiger«, glaubt sie. »Mir war es sehr wichtig, dass die Mitarbeiter, die ich eingestellt habe, wirklich gut fortgebildet sind, eigene Themen haben, beratungsstark sind und auch wirklich Lust haben, Menschen zu begleiten.«

Doch es gab auch Schwierigkeiten: In Bad Harzburg »ist das Apotheken-Geschäft halt noch ein Stammkundengeschäft.« Es sei am Anfang schwierig gewesen, Kunden zu akquirieren. »Wir mussten sie erst einmal davon überzeugen, was wir besser machen als andere.«

Es sei aber auch schwierig gewesen, überhaupt alle notwendigen Unterlagen zusammenzuführen. »Ich hätte mir einen Leitfaden für die Dokumente gewünscht«, sagt sie am Telefon. Auch das QMS fand die 32-Jährige schwierig. »Bevor wir überhaupt eröffnet hatten, musste ich quasi die Arbeitsprozesse fertig haben.« Als Beispiel nennt sie die Abläufe für den Botendienst. »Ich finde, es würde mehr Sinn machen, wenn man zumindest bei gewissen Arbeitsprozessen das QMS auch erst einige Monate nach der Eröffnung einführt.«

Die »Fritz König Apotheke« in Bad Harzburg hat seit dem 6. Dezember 2024 auf. / © Fritz König Apotheke
© Fritz König Apotheke

Böhland: »Es ist eine besondere Apotheke«

Constantin Böhland besitzt vier Apotheken. Seine letzte Übernahme war im November 2024 die »Roth's alte englische Apotheke« in Hamburg. »Diese Apotheke war ein Traum, ein Herzensprojekt«, sagt Böhland begeistert am Telefon. »Es ist eine besondere Apotheke.«

Seine anderen Apotheken befinden sich im Großraum Hamburg, genauer gesagt in Mölln und Ratzeburg. Diese hat er seit 2018 übernommen.

Der junge Apotheker erkennt einige Unterschiede zwischen seinen ländlichen Apotheken und der im Hamburger Stadtzentrum. Während die ländlichen mit Stammkundinnen und -kunden arbeiten, hat die »City-Apotheke« eine höhere und wechselhaftere Kundenfrequenz. »Das heißt, hier sind die Herausforderung die längeren Öffnungszeiten oder Personal« Auch die viel höheren Kosten, wie zum Beispiel die Miete, würden dazu gehören. »In der City-Apotheke zahle ich natürlich eine ganz andere Miete als auf dem Land.« 

Zudem ist die Apotheke denkmalgeschützt. »Das steht natürlich teilweise im Widerspruch zu den Wünschen und Bedürfnissen, die man jetzt im Hinblick auf eine moderne, neu gebaute Apotheke hätte.« So sind beispielsweise Beratungsräume in der Apotheke nicht realisierbar. »Dann muss man eben alternative Möglichkeiten für eine diskrete Beratung finden.«

Dennoch freut sich Böhland jedes Mal, in die Apotheke hineinzukommen. Für ihn gehört die Apotheke einfach zur Hafenstadt. »Es ist ein Hamburger Original, wenn man so will«, sagt er. Die »Roth's alte englische Apotheke« gibt es seit circa 100 Jahren. »Diese Apotheke hatte das Privileg, die englischen Kauffahrtsschiffe im Hamburger Hafen mit Arzneimitteln zu beliefern.« Daher hat sie auch ihren Namen. 

Böhland rät Apothekerinnen und Apothekern, die eine Übernahme oder Neugründung planen, sich den Standort vorher auf jeden Fall gut zu überlegen. Auch eine Spezialisierung der Apotheke wäre sinnvoll. »Mit der bloßen Rezeptbelieferung oder der Abgabe von Produkten ist es eben nicht mehr getan.«

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