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Nach erster Infektion

Hoher Antikörpertiter schützt vor Corona-Reinfektion

Die Bedeutung von Serum-Antikörpern gegen SARS-CoV-2 wird nach wie vor diskutiert. Jetzt gibt es neue Hinweise, dass ein guter Antikörpertiter direkt nach einer Erkrankung einen Schutzeffekt gegen eine erneute Infektion entfalten kann.
Theo Dingermann
26.02.2021  13:00 Uhr

Nach wie vor ist ungeklärt, ob sich von dem Vorhandensein beziehungsweise Fehlen von Antikörpern bei positiv getesteten Covid-19-Patienten Aussagen zum Risiko einer Reinfektion ableiten lassen könnten. Um sich dieser Frage zu nähern, analysierten Raymond A. Harvey, wissenschaftlicher Direktor der Firma Aetion in New York, und Kollegen weiterer Unternehmen sowie dem National Cancer Institute der USA Einträge in einer anonymisierten Datenbank, in der neben den Ergebnissen kommerzieller Labortests auch die medizinischen und pharmazeutischen Interventionen, die Einträge in elektronische Gesundheitsakten und Krankenhausabrechnungen abgelegt waren. Die Ergebnisse sind jetzt nach Peer-Review-Verfahren im Fachjournal »JAMA Internal Medicine« erschienen.

Die Patienten, deren Daten in der Studie begutachtet wurden, waren entsprechend ihres ersten SARS-CoV-2-Antikörpertest als Antikörper-positiv oder Antikörper-negativ kategorisiert worden. Als primären Endpunkte ihrer Studie definierten die Wissenschaftler PCR-Testergebnisse, die bei den Patienten jeweils 0-30 Tage, 31-60 Tage, 61-90 Tage und > 90 Tage nach der Infektion ermittelt worden waren. Diese Ergebnisse erlauben Rückschlüsse auf die Persistenz der Viren nach dem initialen Infektionsereignis. Zusätzliche Messgrößen waren demografische, geografische und klinische Merkmale zum Zeitpunkt des ersten Antikörpertests, sowie Anzeichen und Symptome von Covid-19 und Komorbiditäten. Insgesamt wurden die Daten von 3.257.478 Patienten eingeschlossen, bei denen ein Antikörpertest durchgeführt worden war. Das mittlere Alter dieser Patienten betrug 48 Jahren. 56 Prozent der eingeschlossenen Patienten waren weiblich.

Bei 2.876.773 dieser Patienten (88,3 Prozent) war der Antikörpertest negativ ausgefallen. Bei 378.606 der Patienten (11,6 Prozent) waren Antikörper nachgewiesen worden. Patienten mit einem negativen Antikörper-Testergebnis waren älter als die Patienten mit einem positiven Ergebnis (Durchschnittsalter 48 versus 44 Jahre). Von den positiv getesteten Patienten verloren 18,4 Prozent im Laufe der Nachbeobachtungszeit ihre Antikörper.

Die Wissenschaftler setzten dann die PCR-Resultate zu den Nachbeobachtungszeitpunkten von Patienten, bei denen zu Beginn der Studie Antikörper nachgewiesen wurden, zu den Patienten mit einem negativen Antikörpertest ins Verhältnis.

Zum Zeitpunkt der ersten Messung (0 bis 30 Tage nach der Infektion) betrug dieses Verhältnis 2,85. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt konnte noch bei einer größeren Zahl von Antikörper-positiven Patienten das Coronavirus nachgewiesen werden als bei den Antikörper-negativen Patienten. Dieses Verhältnis kehrt sich dann jedoch bei den Folgeuntersuchungen um: 31 bis 60 Tage nach der Infektion betrug das Verhältnis 0,67, 61 bis 90 Tage nach der Infektion 0,29 und > 90 Tage nach der Infektion 0,10.

Aus diesen Ergebnissen leiten die Wissenschaftler ab, dass die Wahrscheinlichkeit für ein positives PCR-Ergebnis zu Beginn der Studie (0 bis 30 Tage) zwar bei Patienten mit positiven Antikörpertitern größer war als bei Patienten mit einem negativen Antikörper-Testergebnis. Danach drehte sich jedoch das Verhältnis um, was zeigt, dass ein guter Antikörpertiter deutlich besserer vor einer Reinfektion schützt, als wenn Antikörper fehlen. Zu der spannenden Frage, wie lange dieser Schutz anhält, konnten die Wissenschaftler allerdings keine Aussagen machen.

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