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Medikamentenzuzahlungen
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»Höhere Transaktionskosten für Apotheken«

Der Landesapothekerverband Niedersachsen (LAV) kritisiert die steigenden Zuzahlungen für Medikamente im Rahmen des GKV-Spargesetzes und fordert die Bundesregierung auf, Apotheken von ihrer Rolle als »Inkassostelle« für Krankenkassen zu entlasten.
AutorKontaktPZ
Datum 30.04.2026  17:45 Uhr

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant im Rahmen des GKV-Spargesetzes neben einem höheren Kassenabschlag für Apotheken in Höhe von 2,07 Euro auch eine Anpassung der Medikamentenzuzahlungen für Patientinnen und Patienten. Künftig soll der Satz auf 7,50 bis 15 Euro angehoben und dann jährlich angepasst werden. 

Der Landesapothekerverband Niedersachsen (LAV) kritisiert diese Maßnahme scharf und fordert die Bundesregierung auf, Apotheken von ihrer Rolle als »Inkassostelle« für Krankenkassen zu entlasten. Sollte die Bundesregierung die geplanten Erhöhungen der Zuzahlungen für Medikamente umsetzen, müssten die Krankenkassen diese Beträge künftig selbst bei ihren Versicherten einziehen, fordert der LAV.

»Bereits heute belastet das Einziehen der Zuzahlungen die wirtschaftlich stark unter Druck stehenden Apotheken. Diese tragen zum Beispiel die Kosten für Kartenzahlungen selbst und bleiben bei Zahlungsausfällen auf dem Schaden sitzen«, erklärte Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des LAV. »Steigende Zuzahlungen bedeuten automatisch mehr Kartenzahlungen und damit höhere Transaktionskosten für Apotheken – und das bei einem seit Jahren stagnierenden Apothekenhonorar«, so Grau weiter.

Apotheken erreicht Unmut der Patienten

Es sei deshalb nicht länger hinnehmbar, dass Apotheken Aufgaben der Krankenkassen übernehmen, dafür »keinen Cent erhalten und zugleich das volle Risiko tragen müssen«.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende führte weiter aus: »Vielen Patientinnen und Patienten ist zudem nicht bewusst, dass die Zuzahlungen keine Einnahmen der Apotheken sind. Wir leiten diese Gelder vollständig an die Krankenkassen weiter. Kommt es zu Problemen bei der Zahlung, entsteht allein bei der Apotheke ein finanzieller Schaden. Dies ist aus unserer Sicht schon längst nicht mehr tragbar und muss beendet werden.«

Zudem warnte er davor, dass Apothekenteams zunehmend den Frust und Unmut der Patientinnen und Patienten abbekommen: »Nicht die Krankenkassen stehen im direkten Kontakt mit den Versicherten, sondern wir in den Apotheken. Wenn die Politik höhere Zuzahlungen beschließt, darf sie die Umsetzung nicht länger auf die Apotheken abwälzen. Die Krankenkassen müssen ihre Beiträge selbst von ihren Versicherten einziehen.«

Der LAV lehnt höhere Zuzahlungen für Medikamente grundsätzlich ab. Höhere Zuzahlungen würden außerdem dazu führen, dass sich manche Patientinnen und Patienten notwendige Medikamente nicht mehr leisten könnten. Therapieabbrüche und verschleppte Erkrankungen wären die Folge, mit am Ende noch höheren Kosten für das Gesundheitssystem, so Grau, und erklärte: »Eine gute Gesundheitsversorgung muss für jede und jeden erreichbar sein – unabhängig vom Einkommen.«

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