| Annette Rößler |
| 17.07.2026 14:00 Uhr |
Die in der Studie eingesetzte Dosis von 100.000 Internationalen Einheiten Vitamin D übersteigt die ansonsten übliche Dosierung um ein Vielfaches. Von einer Nachahmung auf eigene Faust ist dringend abzuraten. / © Getty Images/Science Photo Library
Die bei einer Krebserkrankung oft erforderlichen aggressiven Therapien können Nebenwirkungen an verschiedenen Organen verursachen, darunter die Haut. So können Patienten unter einer Chemotherapie ein nicht allergisches Exanthem entwickeln, das mit Empfindungsstörungen, Juckreiz oder Schmerzen einhergeht. Laut der S3-Leitlinie zur Supportivtherapie bei Krebs manifestiert sich ein TEC innerhalb weniger Tage bis circa drei Wochen nach der Gabe von Zytostatika, insbesondere von Pyrimidinanaloga, Anthracyclinen, Taxanen und Methotrexat.
Dagegen ist die akute Radiodermatitis eine mögliche Folgeerscheinung einer Strahlentherapie. Sie kann den ganzen Körper einschließlich der Kopfhaut betreffen und äußert sich als Erythem mit Überwärmung, Juckreiz, Brennen und Schmerz.
In der Leitlinie heißt es, ein TEC sei meist selbstlimitierend und heile zwischen den Chemotherapiezyklen ab. Eine RD sei meist gering ausgeprägt und lasse sich durch Hautpflege teilweise verhindern beziehungsweise schneller zur Abheilung bringen. Allerdings gibt es bei beiden Therapienebenwirkungen auch Patienten, die besonders stark betroffen sind – so stark, dass der weitere Verlauf der Krebstherapie gefährdet ist.
Für solche Patienten könnte eine einmalige Gabe von hoch dosiertem Colecalciferol (Vitamin D) infrage kommen. Das geht aus einem Artikel im Fachjournal »JAMA Dermatology« hervor, den ein Team um Mihir K. Patil von der University of Illinois at Urbana-Champaign, Urbana, geschrieben hat. Die Rationale für die Anwendung von Vitamin D in dieser Indikation bildeten Fallbeschreibungen, präklinische und klinische Studien, in denen sich gezeigt hatte, dass einmalig in hoher Dosis verabreichtes Vitamin D in der Haut entzündungshemmend wirkt. Hautrötungen und Ödeme bildeten sich schneller zurück, und Läsionen heilten beschleunigt ab, berichten die Autoren.
In der Publikation geben sie die Ergebnisse einer retrospektiven Fallserie mit 33 Patientinnen und Patienten wieder. 28 Teilnehmende litten an einem TEC und fünf an einer RD. Alle erhielten oral 100.000 Internationale Einheiten Vitamin D, entweder auf einmal oder aufgeteilt auf zwei Einzeldosen, und wurden zehn Tage lang nachbeobachtet.
Nach der Vitamin-D-Einnahme kam es bei 26 von 30 Teilnehmenden (87 Prozent) zu einer Besserung der Symptome, und zwar im Median nach fünf Tagen. Besonders schnell sprachen Patienten mit bestimmten Subtypen an: einer neutrophilen ekkrinen Hidradenitis oder Hauterscheinungen, die einem Stevens-Johnson-Syndrom beziehungsweise einer toxischen epidermalen Nekrolyse ähnelten.
Da eine so hohe Vitamin-D-Dosis den Calciumwert des Blutes beeinflussen könnte, wurde auch darauf geschaut. Es traten aber keine nennenswerten Veränderungen der Serum-Calciumwerte und auch sonst keine Nebenwirkungen der Vitamin-D-Gabe auf. 24 von 33 Patienten konnten die Krebstherapie ohne Unterbrechung fortsetzen.
Eine Einmalgabe von Vitamin D in sehr hoher Dosierung sei in dieser Fallserie mit einer schnellen symptomatischen und objektiven Besserung von TEC und RD verbunden gewesen, ohne Nebenwirkungen zu verursachen, lautet die Zusammenfassung der Autoren. Der Ansatz solle in weiteren Studien näher untersucht werden.