Rein physiologisch steigt der Speichelfluss bei appetitanregenden Reizen, Aufnahme säurehaltiger Lebensmittel, emotionaler Aufregung oder bei starker Konzentration und Fokussierung auf eine Aufgabe.
Orale oder dentale Probleme können lokale Auslöser sein, zum Beispiel ein ständig geöffneter Mund und eine schlechte Lippenkontrolle, Zahnfehlstellungen (Malokklusion), Zungenpressen oder eine kongenitale oder erworbene Zungenmissbildung. Weiterhin können nasale Obstruktion, gastroösophagealer Reflux oder Schmerzen beim Schlucken aufgrund einer Infektion wie Herpes zu einer Hypersalivation führen (6, 7).
Eine akute Hypersalivation wird beispielsweise bei Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Hirnhautentzündung, Parese des Nervus facialis oder bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich beobachtet. Auch Menschen mit Multipler Sklerose, Morbus Wilson, Myasthenia gravis oder Diabetes insipidus können betroffen sein (6, 7).
Besonders häufig tritt Sialorrhö begleitend bei neuromuskulären Erkrankungen wie Parkinson-Krankheit und Amyotropher Lateralsklerose (ALS) auf. Grund dafür ist eine Beeinträchtigung des Schluckens, aber keine vermehrte Speichelproduktion per se.
Bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen können auch mechanische Faktoren dazu führen, dass Nahrung oder Flüssigkeit aus dem Mund fallen und sich eine Sialorrhö verschlimmert. Dazu zählen etwa eine Schwäche der Nackenstreckung, die zum Kopffallen führt, eine vorgebeugte Haltung bei Parkinsonismus, eine Schwäche der Rumpfstreckmuskulatur oder eine verminderte Lippen- und Wangenmuskelkraft (8).
In der Regel gilt übermäßiger Speichelfluss bis zum 18. Lebensmonat als rein physiologisch. Er verschwindet, wenn sich die Koordination zwischen orofazialer und Nackenmuskulatur vollständig entwickelt hat. Erst ab dem 4. Lebensjahr wird das Symptom im Allgemeinen als pathologisch betrachtet, obwohl es bei manchen Kindern auch ab diesem Alter als Teil der normalen physiologischen Entwicklung angesehen wird.
Kinder mit angeborenen Erkrankungen oder Behinderung und zerebraler Lähmung leiden häufig an Sialorrhö. Doch auch hier handelt es sich selten um eine vermehrte Speichelproduktion.
Bei Kindern ohne Entwicklungsstörungen kann ein vermehrter Speichelfluss mehrere Ursachen haben: schlechte Kopfhaltung, verminderte Mundschließung, schlechte orofaziale Kontrolle, Atmen durch den Mund aufgrund einer nasalen Obstruktion oder von Zahnfehlstellungen, Zahnung, Daumenlutschen oder Reflux (9).
Bei Babys bis zum 18. Lebensmonat ist übermäßiger Speichelfluss in der Regel physiologisch und kein Grund zur Sorge. / © Adobe Stock/Yvonne Bogdanski
Manche Frauen haben in der Schwangerschaft einen übermäßigen Speichelfluss von bis zu zwei Litern pro Tag (Ptyalismus gravidarum). Dieser kann bereits in der zweiten oder dritten Gestationswoche auftreten, verschwindet aber bei mehr als 90 Prozent der Frauen im Lauf des zweiten Trimesters, spätestens jedoch mit der Entbindung. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt (10).
Im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen haben geriatrische Patienten grundsätzlich – aufgrund des physiologisch bedingten funktionellen Abbaus – eine verminderte Schluckfrequenz. Auch eine Polypharmazie mit anticholinerg wirkenden Arzneimitteln vermindert die Speichelproduktion und reduziert dadurch die Schluckfrequenz zusätzlich (11).
In der Palliativmedizin ist Pseudohypersalivation ein häufiges Symptom, besonders bei Patienten, die an ALS mit sogenanntem bulbären Beginn erkrankt sind. Dabei sind die Motorneuronen, die die bulbäre Muskulatur innervieren, von einer progressiven Degeneration betroffen. Da diese Muskulatur an Kauen, Schlucken und Sprechen beteiligt ist, wird das Abschlucken des Speichels beeinträchtigt. Bei diesen Patienten ist eine Minderung der Sialorrhö und Bronchialsekretion ein wichtiger Bestandteil der Pneumonieprophylaxe (12).
Bei Tumorpatienten kann eine Pseudohypersalivation infolge von mechanischen Schluckstörungen auftreten, die durch Kopf-Hals-Tumoren oder Tumoren des Ösophagus sowie Defekte nach Operationen oder Bestrahlungen von Kopf, Hals oder oberem Magen-Darm-Trakt verursacht werden. Allerdings leiden Patienten, bei denen die Speicheldrüsen im Bestrahlungsfeld liegen, viel häufiger an einer radiogenen Xerostomie (Kasten).

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Sjögren-Syndrom
Xerostomie (Mundtrockenheit)